Dicke Fresse

War ja klar. Groß ankündigen und dann mal wieder nichts. So kennt man ihn, den Herrn Wollherr. Pustekuchen. Wieder ein halbes Jahr Funkstille. Jetzt kommt er sicher wieder mit so etwas wie „Ja das Baby…“ oder „Also in Zeiten von Corona…“ oder besser noch „Die Leserschaft ist ja selber Schuld, weil…“ War ja nie um eine schnelle Ausrede verlegen der Kerl. Ich erinnere mich noch an Zeiten, da war hier richtig was los. Man könnte fast den Begriff ACTION in die Runde werfen. Jeden Tag. Mehrfach. Und geschrieben wurde auch. Über Training. Über den Alltag. Nichts, was nicht in einen Blogpost verpackt wurde. Und zwar mit Liebe. Nicht bloß hingewichst und tschüss. Nein, nein, da steckte richtig Herzblut hinter. Wenn man sein Ohr heute noch auf alte Beiträge legt, da kannste sein Herz noch pochen hören. Geballert hat es förmlich. Wie ein Song von Scooter. Heute ja nur noch inhaltlich vergleichbar. Wenn überhaupt. Bin ja gespannt, was er wieder als nächstes ankündigt. Bestimmt was mit Musik, weil ja sportlich beim Wollherr seit Jahren, ach was sag ich da, seit Jahrzehnten nichts mehr läuft. Dann also wieder die Musik. Rumheulen auf 10 Anspielstationen, welch schweres Leben er doch zu meistern habe, als weißer Mann in Westeuropa. Kann es echt nicht mehr hören. Immer wieder dieses Gejammer. Am Anfang war es ja noch ganz unterhaltsam, aber nach gefühlt 1000 Songs über seinen Papa, ist die Geschichte echt mehr als nur auserzählt. Weiß gar nicht, warum ich hier überhaupt noch regelmäßig vorbeischaue. Sicher wegen der Nostalgie. Der alten Zeiten wegen. Ist ja eigentlich nur mein guter Wille. Mag den Kerl ja. Meistens. Also früher. Wenn er so wie früher schreiben würde, na dann wäre hier aber was los. Ich sag nur Scooter. Volle Lautstärke bei voller Fahrt und Fenster runter. Bumbumbum macht das. Richtig Action könnte das geben. Aber ob ich das noch erleben werde. Ich weiß ja nicht. Halt immer dicke Fresse der Typ. Wohl diesmal auch.

Alles im Rahmen

Stabile Woche. Rhythmus gefunden. Rhythmus aufgenommen. Rhythmus durchgehalten. Wecker um 5. Laufen um 5.30. Danach zu Edda. Von dort um 9 zur Arbeit. Nach der Arbeit um 4 die Kaninchen versorgen. Kurze Einheit hinten drauf. Zurück nach Neukölln. Bis 11 bei Edda. Ab ins Bett. Wecker auf 5. Repeat.

„erzählt mir nicht wie hart ihr gestruggelt habt, wenn ihr eure Wohnung von Papi noch bezahlen lasst.“

Die Woche war aufgrund der Ferien sehr entspannt auf Arbeit. Durch die zwei Stunden am Vormittag und mindestens zwei Stunden am Abend bei Edda hatte ich echt viel Quality time mit ihr. Da tut die Stunde früher aufstehen am Morgen nicht weh. Gelaufen bin ich täglich zwischen 8k und 20k. Diesmal scheint die Erkältung wirklich vom Tisch zu sein. Puls senkt sich in den Einheiten mehr und mehr ab. Leben könnte definitiv schlimmer sein. Alles im Rahmen wie japanische Suppen.

Briefsendung

Mehr leere Versprechungen als in einem wahllosen Wahlprogramm. Nach 3 Tagen war hier wieder mal Schluss. Alter Muster. Alte Schemata. Ein Heroinjunkie hätte da mehr Durchhaltevermögen gezeigt. Aber nun melde ich mich zurück. So wie sich dann doch die Erkältung zurückgemeldet hat. Und was soll ich sagen, ich lebe noch. Aber sportlich musste ich diesmal wirklich einiges auf Eis legen wie Fischverkäufer. Nützt ja alles nichts. Zudem erfolgte dann doch die Erkenntnis meinerseits, dass das tägliche Einwerfen einer Briefsendung in den Großraum des Internets nicht zu gewährleisten ist. Zum Ostertrainingslager werde ich den Versuch noch einmal wagen. Bis dahin werfe ich in regelmäßiger Unregelmäßigkeit immer wieder Blogfetzen hier hinein. Seit heute ist der Laufschuh nicht bloß Türstopper mehr. Erste Schritte sind bereits wieder gemacht und diesmal scheint der Körper auch die letzten Reste loswerden zu wollen. Nächste Meldung erfolgt sicherlich am Wochenende.

Mehr geht nicht (Tag 3)

Völlig unerwartet stellte der 6te Dezember mein Leben völlig auf den Kopf. Unser Leben. Ohne große Vorboten. Seit diesem Tag bin ich vielleicht der glücklichste Mensch auf dieser Welt. Streichen wir das „vielleicht“. Ich bin es. Kein Sieg. Keine Bestzeit. Kein Erfolg. Nichts von all dem, was ich in all den Jahren Leistungssport erlaufen habe, könnte nur im Ansatz die Waage des Glücks ins Gleichgewicht bringen, wie dieses Erlebnis am 06.12.2019 als unsere Tochter Edda in unser Leben purzelte. Ungeduldig, so wie es ihr Papa ist, entschied sich unsere kleine Ente viel früher als geplant unser Leben zu bereichern. Wie viel Glück wir an diesem Freitag im Dezember besaßen, kann kein Wort im Duden beschreiben. All die Gefühle der Erinnerungen an die vielen Momente dieses Tages in eine oder vier Zeilen zu pressen, ist schier unmöglich. Worte reichen dafür nicht aus. Meine zumindest nicht. Und dieser bin ich bekanntlich nicht verlegen. Nun wurde aus März 2020 Dezember 2019. Und in die Reihe aus DROGA und LOT reiht sich mit dem 6ten Dezember nun Edda ein. Kein Projekt. Kein Arbeitstitel. Sondern mein Zenit. Mehr geht nicht. Nicht mehr Liebe. Nicht mehr Sehnsucht. Nicht mehr Leidenschaft. Ihre 700gr sind mein Halt, meine Motivation, mein Allheilmittel. Sie lässt all meine Schwierigkeiten der Vergangenheit in winzige Fussel schrumpfen. Sie verwandelt alle Anstiege in Bergabpassagen mit Rückenwind. Keine Last scheint schwer genug, um mich zu Boden zu drücken. Kein Wind zu stark, um mich auszubremesen. Kein Gefühl in meinem Leben war bisher intensiver als meine Liebe zu ihr. Jedes Training wirkt neben all dem, was unsere kleine Ente bisher meistern musste, wie die reinste Spielerei. Nichtig. Und so wird sich der eine oder andere Tag hier vollkommen um sie drehen. Seit Edda da ist, laufe ich so unbeschwert wie nie zuvor durch mein Leben. Sie steckt in jedem Schritt, den ich morgens in den Asphalt zwischen Krankenhaus und Adlershof hinterlasse. Vor jedem Training morgens um 6, besuche ich sie auf der Intensivstation, nehme sie gedanklich mit auf meine Runde aus der Dunkelheit in den Morgen hinein. Jeder Atemzug in meiner Lunge ist für sie. Jede Sekunde fern von ihr wirkt wie die reinste Verschwendung. Wieso ich also keine Rennen in der Halle absolviere, sollte damit geklärt sein. Im Sommer fahren wir gemeinsam als Familie nach Braunschweig zur DM und setzen damit einen kräftigen Punkt unter einem Strich, der seit langem darauf wartet zum Ausrufezeichen vollendet zu werden. Bis dahin werden noch einige Tage zwischen Intensivstation und Intervalltraining verstreichen. Doch unser Maximum von gestern bleibt dabei immer unser heutiges Minimum und so holen wir gemeinsam 27 Stunden aus jedem 24 Stunden Tag heraus. Gestern. Heute. Morgen. Unaufhaltsam.

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Morgens: 10km / 4:10min/km

Minimum (Tag 2)

Vor meinem Mund steigt weißer Rauch auf als liefe ein neuer Papst den Kanal an diesem eiskalten Dienstag im Januar herunter. Im Schein eines Radfahrers glitzert der Frost auf dem schwarzen Asphalt, während die Oberfläche des Kanals daneben noch dunkler erscheint. Meine Schritte verschwinden noch weit vor Anbruch des Tages im Nichts. Und noch immer lebe ich für die Tage, an denen mich keiner sieht. Unter dem Radar. Kurz auftauchen, abliefern, verschwinden. Ohne große Worte. Noch weit bevor andere Wecker klingeln, ist meiner längst verhallt und ich bereits wieder auf dem Weg dorthin, wo ich am meisten gebraucht werde. Diese knappe halbe Stunde in der Dunkelheit ist keine Flucht sondern Zuflucht. Meine Zuflucht. Mein Fixpunkt. Seit mehr als 20 Jahren. So sehr mich dieser Sport schon völlig haltlos zu Boden warf, umso mehr erdet er mich in diesen Tag. Reduziert mich auf ein Minimum. Mein Minimum.


Morgens: 8km / 4:00min/km
Abends: 16km inklusive 8*1min mit 2min Laufpause

Zugvögel (Tag 1)

Ein Atemzug reicht. Kurz tief einatmen. Augen schließen. Gedanken schießen lassen. Jeder kennt diese Orte. Dampf aus dem. U-Bahnschacht. Bolognese im Treppenhaus. Parfum der ersten Liebe. Ein Atemzug genügt für tausende Bilder im Kopf. Bloß ein kurzer Reminder für unzählige Flashbacks. Und plötzlich ist man wieder da als hätte man diesen Ort niemals verlassen. Als sei man nicht gealtert in der Zwischenzeit. Dann steigt man in die Spikes und schwebt über den frischen Tartan. Hauchdünn über der Oberfläche auf einem Polster aus Erinnerung und Gegenwart. Jeder Schritt greift in einander. Jeder Atemzug pustet dich ein Stück weiter nach vorne bis die Beine mehr und mehr auf dem Boden der Tatsachen kleben bleiben. Und das Brennen in der Lunge erinnert dich plötzlich daran, was du in den vergangenen Tagen oder Wochen oder Jahren vermisst hast. Wofür dein Herz schlägt. Wofür du heute hier bist. Ein Zug reicht dafür aus. Egal wie viele Jahre zwischen gestern und heute liegen.


Morgens: 8km / 4:00min/km / Gymnastik + Laufschule + Steigerungen
Abends: Erwärmung / 2*300 + 3*1000m + 2*200 / Cooldown

Tourstart: morgen

Erkältung kurz durchgespielt. Zwei Tage den Körper mal Körper sein lassen und damit das Wochenziel eingehalten wie ein Elektriker am BER. Zum Wochenende aber wieder Fahrt aufgenommen. Ab Montag wieder im gewohnten Rhythmus. „Zwischen Intensivstation und Intervalltraining“ lautet die Überschrift für die kommende Woche. Jeden Tag ein kurzer Einblick in das sportliche Geschehen. Wettkämpfe lege ich bis zum Frühjahr auf Eis so wie Spenderherzen. Dafür bleibt aktuell keine Zeit. Wieso? Weshalb? Morgen dazu mehr.

Tinte

Kurzes Memo. Zwischen einer Handvoll U-Bahnhöfen. Bloß Wortfetzen. Leichter Gedankenhagel nach dem Training. Die Tage sind lang. Die Nächte dafür umso kürzer. Wecker klingelt kurz vor 6, nachdem ich ihn keine 6 Stunden zuvor gestellt habe. Rein in die Schuhe. Raus in die Dunkelheit. Immer geradeaus hinein ins weite Nichts. Am Wendepunkt wartet die Dämmerung. Mit ein wenig Rückenwind im Gepäck lasse ich den Kanal links liegen, während rechts von mir Auto für Auto Richtung Innenstadt donnert. In mehr als einem Monat habe ich hier mehr als 500 Kilometer gelassen. Rauf. Runter. Auf meinen Schultern ein Kopf, der vor Fülle und gleichzeitiger Leere strotzt. Nicht Zuhause, aber auch nicht ganz weit davon entfernt. Jeder meiner Schritte in diesen Tretern fühlt sich verdammt richtig an. Genau hier. Genau jetzt. Spätestens seit dem 6ten Dezember weiß ich, dass Pläne bloß Tinte auf Papier sind. Tinte, die lebendig verläuft. Tinte, die sich eigene Wege sucht. Tinte, die niemals trocknet. Krampfhaft versuchen sich dieser Tinte zu bedienen, endet im Scheitern. Und so lasse ich sie fließen. In alle Richtungen. Ich fließe mit ihr. Rauf und runter. Nie von einander getrennt, sondern immer im Prozess vereint. Und ich mitten drin.

Fortsetzung

Noch immer passieren Zeichen und Wunder. Und so puste ich den Zentimeterdicken Staub vom digitalen Notizblock. Bringe die angetrocknete Tinte im Füller in Bewegung und führe zusammen, was eine halbe Ewigkeit voneinander getrennt war. Es kratzt. Es ächzt. Nur Fetzen des blauen Stoffes bleiben auf dem Papier kleben. Nach und nach füllen sich die eingerizten Rillen mit der Tinte. Linien und Spitzen formen sich zu einzelnen Buchstaben und daraus Wörter zu Sätzen. Noch fehlt Leichtigkeit aus vergangenen Tagen. Wortfindungsschwierigkeiten blockieren den Prozess. Doch mit jedem neuen Gedanken purzelt ein weiterer nach. Was vor über 10 Jahren hier begann, mit der Zeit in der Versenkung verschwand, taucht langsam wieder auf. Neues Jahr. Alte Vorsätze. In diesem Fall Fortsetzung. Herzlich willkommen zurück. Zurück auf einer Plattform, die neben schnelllebigem Hashtaggewitter, wohl mächtig am Zeitgeist vorbeischießt wie Blindgänger. Doch eine Tatsache bleibt auch 2020 zeitlos und zwar dass ich auf diesem Gebiet des Laufbloggens der Beste war, bin und bleibe. Egal wie lange ich pausiert habe. Ab jetzt schreibt sich die Geschichte weiter. In diesem Sinne. Frohes neues Jahr.