Wochenende

Haken hinter der Arbeitswoche. Geschafft. Wetter war anstrengend, Kinder standen dem Wechsel von Hoch und Tief in nichts nach. Gelaufen bin ich. Nicht sehr weit, aber oft. Noch immer klopft das Teil in meiner Brust öfter als es bei der Geschwindigkeit unter den Schuhsohlen sein sollte. Morgens nüchtern in die Schuhe zu steigen, erweist sich als schwierig. Nicht die Motivation, sondern die Energie fehlt. Also bleibe ich bei den Basics. Mobilisation, Stabilisation sind die Schlagworte im Kalender. Daran gilt es weiter zu arbeiten. Viel laufen konnte ich schon immer, wenn die Grundlage zurückkehrt, greife ich darauf zurück. Ganz sicher. Kommende Woche folgt die Kontrolle der Blutwerte und nach 2 Wochen Eisen morgens und Eisen abends sollte sich in den Adern was getan haben. Bis dahin schleiche ich weiter über die Bürgersteine. Schönes Wochenende euch allen.

An der Kante. Auf der Scheibe.

Auch wenn jeder Kurs mal auf und mal abwärts verläuft, Abzweigungen links und rechts lauern, ist die Welt der Läufer eine Scheibe. Wer zulange stur geradeaus läuft, wird früher oder später der Kante ins nichts bedrohlich nahe kommen. 

„Immer am Limit, ein Schritt hinter der Klippe“

Denn nur außerhalb der Komfortzone, am Rand der Kante wird man zur Kante. Seit meinem Achillessehnenriss und dem Beginn wieder zu laufen im Oktober 2013 hatte ich immer die innere Unruhe, dass jeder Schritt, den ich tue, ein Schritt zu wenig ist. Meine persönliche Kante sich stetig von mir weg bewegte. Nichts war gut genug. Kein Kilometer schnell genug. Kein Lauf lange genug. Die Scheibe, auf der ich bisher lief, drehte sich permanent mit. Immer ein wenig in Laufrichtung, bis die eigenen Beinen sich überschlugen und die Rotation mir mehr und mehr entgegen kam. Man kann gewisse Stufen im Sport nicht überspringen. Zumindest nicht auf Dauer. Früher oder später fallen dir die fehlenden Level auf die Füße und es schmeißt dich von der Scheibe. Also Rechner runterfahren. Diskette durchpusten. Rechner neustarten. Zurück auf die Scheibe.

Mein Hoverboard

Weil ich feststellen musste, dass mein Puls zurzeit morgens grenzenlos in die Höhe schießt, liegt mein Fokus nach dem Aufstehen auf ein paar Basics, die ich in den vergangene Wochen, Monate und vielleicht auch Jahre vernachlässigt habe. Mein rechter Fuß braucht mehr Stabilität und meine linke Wade noch mal eine Aufbaukur. „Zurück zur Balance“ lautet das morgendliche Motto, auch bei der kleinen Zirkusnummer.

Schwermetall

Schritt für Schritt halte ich den Puls im Blick. Seit letzter Woche laufe ich nur noch mit Pulsgurt und richte mein Tempo nach meinem Herzschlag. In der Wintervorbereitung 2010/11 machte ich keinen Meter ohne den Gurt. Damals war noch meine S610 in Betrieb. Only 90 Kids remember this. Warum ich den Kanal zum Herz abgestellt habe, weiß ich gar nicht genau. Aber die Antenne wurde wieder aufs Dach geschraubt und justiert und der Kanal sendet auch noch. Wenn auch noch mit Rauschen. Heute kehrte das erste Mal seit einer Woche wieder Luft in die Lungen ein und die innere Unruhe nimmt mehr und mehr ab. Das Teil in meiner Brust funktioniert noch, wenn auch schwerfällig. Aber auch das Ding wird wieder leichter. Ganz sicher. 

Gesunde Asozialität


Kaum haben Siri und ich 100m unseres gemeinsamen Dauerlaufs hinter uns gebracht, raunt uns ein leicht angetrunkender Kerl entgegen 

„Du bist zu langsam, weeste selbst, ne?“

Charmant. Ehrlich. Direkt. So ist der Wedding eben. Hier bekommt man Antworten auf Fragen frei Haus geliefert, die man nie gestellt hat. Konversation vom Pappteller und mit Plastikbesteck. Diese auf der Straße gelebte Asozialität in ihrer natürlichsten Ursprungsform, fernab jeder gesellschaftlichen Norm, lässt sich nicht mehr zwangsläufig in jedem Kiez der Stadt finden. Und wenn doch, ist diese Spezies vom Aussterben bedroht. Doch noch nicht hier. Wedding bleibt stabil. Dieser Bezirk ist der fleischgewordene Herthaschal. Seit 187 Straßenbande Lacostetrainingsanzüge, Reebok Classics und Bauchtaschen Salonfähig gemacht haben, ist es schwer zwischen dem makellosen Look und Hipstermode zu unterscheiden. Wie du etwas so sagst, wie du es auch denkst, steht in keinem Fashionblog. Wie du dich auf der Straße gibst und bewegst, verrät dir kein YouTube Channel. Dit hauste eenfach so raus. Zack Bumm. Genau diese authentische und gesunde Asozialität ist der Grund, warum ich den Wedding seit dem ersten Tag so liebe. Und ja natürlich hast du recht, Alter. ICH BIN ZU LANGSAM. Viel zu langsam. Und du bist zu besoffen. Viel zu besoffen. Aber das ändert nichts. Wir müssen beide ran und was tun. Also quatsch nicht. 

Schlusspfiff

Graue Front. Regen. Winter eben. Tausend Gründe um das Haus nicht zu verlassen. Einer aber reicht, genau das Gegenteil zu tun. Seit über 1 Stunde liege ich wach und jede weitere Sekunde, die ziellos an diesem Samstag verstreicht, wird zur puren Anstrengung. 

Also rein in die Klamotten. Rein in die Schuhe. Raus aus der Grauzone. 

Auch wenn mir an diesem Morgen mein aktueller Fitnesszustand mehr als deutlich vor Augen hält, dass er nur ein Bein besitzt und nur ein Lungenflügel und nur eine Herzkammer. Es pfeift aus jeder Pore. Klingt wie ein Schlusspfiff aus der Tiefe. Immer wieder korrigiere ich die Geschwindigkeit, mache mich gerade und blende das Pfeifen aus. Noch ist nicht 90ste Minute. Noch läuft die Nachspielzeit. Und wie wir heute alle mal wieder gelernt haben, ist erst Schluss, wenn auch wirklich Schluss ist. Doch es fängt gerade erst an. Anpfiff.

Herz im Blick

Nach der Diagnose vom Mittwoch ist die Marschroute für die nächsten Wochen klar: zurück zur Basis. Puls kontrollieren. Körper stabilisieren. Kopf ausschütteln. Alles dreht sich um die 130 in der Brust. Kilometer mache ich nach Bedarf zwischen 8-10km am Tag und runde jeden Dauerlauf mit 4-8 Steigerungen ab. Dabei habe ich fürs erste keine sportlichen Ziele formuliert bis zu dem Tag, an dem ich spüre, dass ich drohe zu platzen. Wer mich kennt, mich verfolgt, weiß, dass ich Phasen wie diese auch schon früher überstanden habe. Für das Frühjahr ist der Marathon gestrichen. Kommt Zeit. Kommt Rat. Kommt mehr Zeit. Kommt mehr Maik. Du kennst mich.