Eiskunstlauf

„Regen von oben, Regen von der Seite, ja sogar Regen von unten.“ (Forrest Gump)

Statt Regen in Vietnam, fallen seit Tagen und Wochen unregelmäßig die Schuppen des weißen Riesen vom Himmel auf uns herab und trüben mit ihrer Reinheit nach und nach die Gemüter deutscher Bürger Pechschwarz. War unser Wunsch nach einer prächtig, weißen Weihnacht noch vor über einem Monat groß gewesen, haben sich im Laufe der Zeit unsere Vorstellungen eines gemütlichen Kaminwinters um genau 180° gewendet. Still und leise hat Väterchen Frost mit Flocke für Flocke ganz Deutschland unter seine eiskalten Fittiche nehmen können und wir haben uns ihm schneeblind vollkommen widerstandslos ergeben. Anfänglich hat jeder von uns das Ganze auch noch für einen riesigen Spaß gehalten. Hat sich dem freudigen Gestöber tanzender Schneeflocken hingeben, den Schneeengeln neue Flügel geschenkt und auf der heimischen Rodelpiste unter Beweis gestellt, dass man ein würdiger Nachfolger für den Hackel Schorsch sei. Doch mit Schnee ist es meist wie mit Deutschen Comedians. Erst kennt ihre Witzigkeit keine Grenzen und man kann ungeniert über jeden ihrer noch so niveaulosen Witze lachen, bis sie eines Freitagabends aus kommerziellen Gründen eine eigene Show im Privatfernsehen bekommen. Letztendlich erreichen sie das Endstadium ihrer Tyrannei in Form von Media Markt Werbefiguren als welche sie uns den Appetit auf Komik vollkommen verderben, sodass uns das Lachen im Halse stecken bleibt. So zaubert der erste Schnee des Jahres auch immer wieder ein magisches Glitzern in unsere vom restlichen Alltag getrübten Augen bis wir von den unangenehmen Begleiterscheinungen, die das weiße Pulver mit sich bringt, wie ständiges Gehwegräumen, zu spät zur Arbeit Kommen & diversen Stürzen, schlicht weg die Schnauze voll haben. Und schon heißt es nicht mehr:

“Guck mal aus dem Fenster, es schneit”

sondern

“Verdammt, es schneit schon wieder? Jetzt ist aber wirklich genug”

Langsam setzt mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt tagsüber das langersehnte Tauwetter (nicht zu verwechseln mit Trautvetter) ein, das uns am Nachmittag den Ansatz richtiger Frühlingsgefühle in Erinnerung ruft. Und schien das Gezwitscher kleiner Vogelscharen über Wochen hinweg vom eigentlich lautlosen Schneefall verschluckt gewesen zu sein, so begleiten einen ihre Stimme mit zunehmender Helligkeit jeden Tag ein bisschen eher. Spätestens in einigen Wochen oder ein paar Monaten werde ich vermutlich dann darüber schreiben wie sehr Vogelstimmen früh morgens, Hitze am Mittag und Insekten zwischen den Mahlzeiten und Zähnen an den Nerven zerren können. .

Bis dahin stelle ich mich unerbittlich jeder neuen Wetterfront  sowie sie auf mich zu marschiert, verbessere während meines Lauftrainings weiterhin meine Fähigkeiten in meiner Zweitdisziplin dem Eiskunstlauf und benenne dabei einige neue Figuren und Elemente nach mir selbst.

Der einfacher Wollherr

Ungeschickt unmittelbar vor einer Eispfütze wild mit den Armen rudernd ins Straucheln kommen, sich elegant über eine Schulterseite im kalten Wasser abrollen und aus dieser Bewegung heraus direkt an die vorab ausgeübte Laufbewegung anschließen.

Leider konnte kein Preisrichter vor Ort eine Bewertung für meine Einlage am Emssee abgeben, weil sich außer mir anscheinend niemand aufs Glatteis rund um den See hinaus gewagt hat. Hätte aber sicherlich sehr lustig ausgesehen von außen und mir bei passender Kameraführung eine satte Prämie bei einer dieser Pannenshows im Fernsehen eingebracht. Stattdessen gab es den Look eines nassen Pudels, von oben bis unten und einen deftigen Lacher über mich selbst.

Schadenfreude.

Wenn ich behaupte, dass zurzeit jegliche Laufbewegung bei diesen Bedingungen lebensgefährlich ist, erzähle ich wohl kaum jemanden eine wirkliche Neuigkeit. Da ist die Überlegung bevor man sich in seine Laufklamotten schmeißt, immer recht groß, denn bis auf ein beruhigtes Gewissen, lässt sich meiner Meinung nach kein ersichtlicher Nutzen aus dem Training ziehen.

Meine gesamte letzte Woche war ohne Frage, sehr umfangreich und vorausschauend auf die anstehenden  Ereignisse, schenkte ich meiner Vernunft Gehör und mir selbst damit zwei Tage Pause. In der Hoffnung, dass sich die Untergrundverhältnisse Anfang dieser Woche bessern, nehme ich noch eine Abschlusseinheit für kommenden Sonntag in Angriff, um meiner ersten Frühform einen passenden Schliff zu verleihen.

Heute ist Montag, aber kein Schontag und daher geht es frisch ans Werk.
Wie Superman sagen würde: Up, up and away
One Love
Euer maiky talent

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