On Top (Tag 2)

Noch knapp 500m bis zum Gipfel des Berges. Bislang keinen Meter des Panoramas in Aussicht. Dichte Wolken hüllen die Spitze in ein einheitliches Grau. Nur unsere Laufjacken sorgen für ein paar wenige Farbkleckse in diesem trüben schwarz-weiß Streifen.

Stummfilm.

Seit etwa 5 Minuten fallen die Dialoge knapper bis wortlos aus. Nur noch tief keuchende Atemzüge durchschneiden den mit frischem Schnee bedeckten Wald des Isargebirges. Ansonsten herrscht absolute Stille. Gesichter sprechen für sich. Jeder ist in diesem Augenblick auf sich allein gestellt. Kämpft mit sich selbst, seinem Kopf, seinen Beinen und dem scheinbar immer tiefer werdenden Schnee in dem er bei jedem Schritt versackt. Versackt deshalb, weil der Schnee mittlerweile bis zum Sack reicht. Anfangs war es nur knöchelhoch bis er mit jedem Höhenmeter langsam bis zum Knie stieg und schließlich darüber hinaus. Vor jeder Kurve hofft ein jeder zumindest die Umrisse des kleinen Berghauses erblicken zu können. Doch zur absoluten Demoralisierung gibt es kein Licht am Ende des weißen Tunnels, sondern noch mal eine extra Steigung, um uns zu brechen. Man könnte an dieser Stelle auch aufhören und umkehren, doch daraus lassen sich nur wenige Geschichten schreiben. Also führt dieser Wege weiterhin nur in eine Richtung, auch wenn der Schnee eigentlich keine Laufbewegung mehr zulässt.

Eigentlich.

Langsam schmecke ich Blut im Mund. Eine absolute Delikatesse unter läuferischen Feinschmeckern. Ab 2012 vielleicht auch im McMenü oder zumindest als Sub des Tages. Hinter meiner Sonnenbrille klebt Dunst bis ich gar nichts mehr vor meinen Füßen erkennen kann. Nach Luft ringend reiße ich sie mir runter und strecke meinen Kopf in Richtung Himmel.

Plötzlich liegt sie da.

Eine kleine Blechhütte, davor ein Schild, 1058m über dem Meeresspiegel. Manchmal muss es gar nicht der Kilimandscharo sein, um seinem Schweinehund zu begegnen. Manchmal reichen eine Handvoll Höhenmeter gemixt mit einem halben Meter Tiefschnee aus, um einen an eine Grenze zu pushen.

Mit gefühlten 3 Meter Schritten sprinte ich die Treppe zur Spitze rauf, strecke meine Arme in die Luft und fühle mich für einen Augenblick wie Balboa in Rocky IV. Dieser Berg stand heute für so manches. Für unsere Gegner im kommenden Jahr. Für Bestzeiten. Für jede Schwierigkeit, die auf jeden von uns zukommen kann. Keiner von uns hat sich von diesem Berg klein kriegen lassen. Und wo wir grade oben sind, schauen wir uns gegenseitig an und fragen uns:

War das schon alles? Wer möchte der nächste sein?

MAIK WOLLHERR / OS RUNNER 4 LIFE

Ein Gedanke zu „On Top (Tag 2)

  1. Hi Maik, habe gerade den Bericht gelesen (und das Bild spricht Bände…!). Es scheint euch ja richtig gut zu gehen im Schnee. Ich bin gestern in Cappeln gelaufen und voll die Fresse gefallen – kannst dir vorstellen, wie ich ausgesehen haben….! Das wäre bei Euch im Schnee anders! Kannst also etwas Neid raushören!

    Bei der Konkurrenz hier (in rot) liegen die Nerven blank. Die denken gerade über ein Trainingslager in der Bornheide nach ;-))

    Kommt aller gesund und fit durch und zeigt´s allen bei den anstehenden Cross – und Hallenläufen. Ich jedenfalls freue mich drauf!!!

    liebe Grüße an alle
    Karschi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s