Nächster Halt: Berlin (Tag der Abreise)

Ich hasse Abschiede. Auch wenn man in einem Trainingslager nur ein Einwohner auf Zeit ist und mit nicht viel mehr als einer Reisetasche seine bescheidenen 4 Wände bezieht, bekommt man schon nach wenigen Tagen das Gefühl beim Öffnen des Türschlosses wieder nach Hause zu kommen. Küchenfrau, Hausmeister und Marek Maraton sind einem schon vertraut, vielleicht nicht sprachlich, was aber niemanden davon abhalten sollte, einen kurzen Plausch zu halten. Über das Wetter, den Typen in der Nachbarschaft, der mit seinem Ofen die ganze Gegend zuqualmt und über die neuen Meble, die es zu Weihnachten gab. Mahlzeiten zur geregelten Uhrzeit werden vollkommen selbstverständlich und so wundert man sich, wenn man in Berlin um kurz vor 8Uhr aufsteht und runter in den Keller geht, um zu frühstücken, wo denn die anderen bleiben und wieso noch kein Buffet aufgebaut ist.

Ja wir sind wieder Zuhause. Home sweet home.

Wieder einmal waren die Taschen voller als auf dem Hinweg. Wieder einmal wurde die Hälfte an Klamotten nicht gebraucht. Wieder einmal passiert man das Ortsausgangsschild von Szklarska und denkt sich:

SCHADE & ENDLICH

zugleich. Mit grauen Wolken und Regen haben uns die Berge gestern gegen Mittag verabschiedet und von der strahlend weißen Schneepracht der Vortage war kaum noch etwas übrig. Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber ich hasse Abschiede. Schon einen Tag vor der Abfahrt kommt dieses mulmige Gefühl in mir hoch, Unruhe ausgelöst aus einem stetig wachsenden „ich will nicht“ Gedanken.

10 Tage sind dann doch 10 Tage zu kurz.

Mit einem lockeren Dauerlauf auf der Bahn von 10km in 3:50min/km schloss ich die ausländische Trainingsphase aus meiner Sicht sehr erfolgreich ab.

3 Bergtouren (20km – 20km – 20km)
3 GA 2 Einheiten (10km TDL – 3x3km – 18x500m)
3 GA 1 Einheiten (19km – 20km – 12km)
und jede Menge schnelle nachmittagliche Kilometer + Halleneinheiten (Hürden, Medizinballwürfe, Stabis)

Den genauen Wochenumfang habe ich nicht zusammen gerechnet, weil ich meinen Fokus bei diesem Trainingslager auf andere Schwerpunkte gelegt habe. Insbesondere die Nachmittage habe ich stets versucht, nicht mit leeren Kilometern voll zumüllen. Mit Hilfe von kurzen und vor allem gesteigerten Dauerläufen wollte ich mich immer wieder an die angestrebten Geschwindigkeiten beim zukünftigen TDL (von 3:20min/km) gewöhnen, weil mir der Umstieg im neuen Jahr in der Vergangenheit immer etwas schwer gefallen ist. Dazu kamen dann viele Rhythmen im Bereich des 1500m Tempos (15sec) und die allgemeine Athletik, die in meiner Kilometerfresserwoche doch etwas zu kurz kam. In Polen hatte man doch immer wieder die Zeit sich ausgibig zu dehnen, sich in dem ein oder anderen Minütchen den Stabis zu widmen und dafür zu sorgen, dass man einfach geschmeidig bleibt.

Zurück in Berlin klopft schon wieder der Alltag an die Türe. Ab Mitte Januar gehe ich für 3 Monate ins Praktikum und dann folgen auch schon die Wochenenden mit all den Wettkämpfen. Eine wirkliche Hallensaison werde ich ausschließen, was nicht bedeutet, dass man mich nicht bei zwei/drei Wettkämofen an der Startlinie sehen wird. Zum einen liegt meine Sommersaison noch gar nicht so weit zurück und möchte ich wieder lange die Stadionatmosphäre genießen, sollte ich nicht zuviel Pulver in irgendwelchen Hallen verschießen. Weiterhin hoffe ich ein bisschen, dass der Winter nun ganz ausbleibt und mich nicht noch zum Februar mit 4m Neuschnee überrascht.

Ich packe jetzt mal meine Tasche aus und versende einen Dauerauftrag an unsere Waschmaschine. Vor Weihnachten hat mich Berlin doch ein bisschen abgefuckt, ich wollte einfach nur weg, weg, weg von hier und brauchte einfach ein bisschen frische Luft. Als meine Eltern uns dann gestern am S-Bahnhof Schöneweide abgesetzt haben und wir nach knapp einer halben Stunde wieder vor unserer Haustür standen, freute ich mich schon wieder auf unser Hochbett, unseren Weihnachtsbaum und unseren Bürgerpark mit den Ziegen.

Ja wir sind wieder Zuhause. Home sweet home.

maik

2 Gedanken zu „Nächster Halt: Berlin (Tag der Abreise)

  1. Hallo Maik,
    eine interessante und lesenswerte Berichterstattung hast du in den letzten 14 Tagen abgeliefert! Ich glaube, du solltest noch einmal deinen über deinen Beruf nachdenken! Als fliegender Reporter – nicht nur bei der Bild Zeitung – könntest du deine Brötchen verdienen. Bei der NOZ gibt es auch nicht mehr ganz so junge Redakteure!
    Bleib gesundund viel Erfolg in 2012 wünscht dir
    Pesi

  2. Danke Pesi! Freut mich zu hören, dass dir meine Einträge gefallen. Ich gebe alles für 2012. Wir sehen uns vielleicht am Sonntag in Hannover.
    Liebe Grüße
    der maik

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