Manchmal sind 50m länger als man denkt

Keinen Meter hinter der Ziellinie, Embryonalhaltung eingenommen. Beine aus Blei, Lunge voll Staub. Noch nie waren 50m so elendig lang wie gestern in Hannover. Als hätte man die Zielgrade mit Leim bestrichen, großflächig Trteibsand verstreut. Kaum habe ich einen Schritt aus der Schlusskurve auf die Grade gesetzt, zog man mir den Stecker.

Akku leer.

Keine Energie mehr, keinen Meter mehr länger. In all den Jahren, all den Rennen, kann ich mich an Momente wie diese erinnern. Schon eingangs der Schlussrunde, den Gong im Rücken verhallend, fehlten meinen Beinen jegliche Frische. Zu sehr habe ich zur Halbzeit des Rennen geackert und dann versucht die Konkurrenz abzuschütteln. Vergeblich.

„Einer ist noch dran“

Nicht nur einmal bekam ich diesen Zuruf von außen zu hören. Was ich auch unternahm, reichte gestern einfach nicht aus und muss von mir am Ende dann auch so anerkannt werden. Vorwerfen muss ich mir nichts. Aus meiner Sicht. Noch am Tag zuvor bin ich mir bezüglich meines Starts mehr als unsicher gewesen und fühlte mich alles andere als am Gipfel meiner Kräfte. Am Wettkampftag selbst aber passte zunächst alles.

Keine Temperatur. Lockere Beine. SWAG.

Starterliste war mir bekannt, interessierte mich aber einen feuchten Dreck, denn selbst wenn sich in diesen Feldern immer diverse Namen tummeln, machen die Favoriten am Ende eh nie mehr als sie müssen, solange der Clubchef zahlt. Und nach den durchwachsenen Vortagen galt für mich zunächst die Marschroute:

Hälfte überstehen.

Also hielt ich mich zurück, versuchte meinen Rhythmus zu finden, passiv aktiv. Wie schon im Sommer bin ich das Rennen noch morgens im Kopf durchgegangen.

31/32 für die erste Runde, dann bei 33 einpendeln. Ruhe bewahren. Hellwach sein. SWAG.

Ich denke, dass das Video für sich spricht und daher will ich zum Rennen nur noch ein paar Gedanken verlieren, die sich aus den bewegten Bildern nicht ablesen lassen. In keinem Augenblick des Rennens habe ich meinen Rhythmus finden können, lief technisch völlig neben der Spur und schlage selbst bei der 50sten Wiederholung die Hände überm Kopf zusammen, wenn ich mich da laufen sehe. Alles woran ich die letzten Wochen gearbeitet habe, konnte ich gestern nicht ansatzweise in die wettkämpferische Praxis umsetzen. Und das verägert mich persönlich sehr.

Über meinen „Endspurt“ kann ich lachen, zumindest glaube ich das zu können. In den Tagen zuvor hatte ich wenig Hunger aufgrund meines körperlichen Zustandes, habe am Wettkampftag selbst dann doch den einen Happen zu wenig gegessen und habe mich auf diese Weise dann vollkommen zerschossen.

Dumm.

Schon 2 Runden vor dem Ziel verlangten meine Beine nach Energie, die ich nicht mehr hatte und bereits dann war mir bewusst:

Boi, das könnte nach hinten hin knapp werden.

Zum Glück kam dieser Hammer nicht noch 100m eher, denn dann hätte mich wahrscheinlich die gesamte Meute noch auf der Ziellinie überrannt. So blieb mir neben der Hallenbestzeit von 8:24,35min wenigstens noch Platz 2. Im Sommer bin ich schlechter unter besseren Vorraussetzungen eingestiegen in das Jahr und bin fest davon überzeugt, dass mein eingeschlagener Weg absolut richtigt ist. Schon in Hamburg wird das ganze vollkommen anders ausschauen, da bin ich mir sicher. Nun heißt es aber erst einmal, sich zu finden, sich wieder herzustellen und gesund werden.

Vielen lieben Dank an alle, die gestern so unglaublich lautstark mitgefiebert haben, das hat mich sehr gepusht und ich freue mich immer sehr über jeden Support.

Küsse für alle.

maik

2 Gedanken zu „Manchmal sind 50m länger als man denkt

  1. wat hast den da gemacht. die ersten fünf Minuten warst du irgend wo anders? Wat machst du mit deinen Schulter, man will dir unterwegs so eine Hüfttrommel geben. Sieht verdammt ungleichmäßig aus. der ganze Körper arbeitet. bei den NDHM gibt es ein weiteren Versuch?

  2. Moin Maik,
    du hast doch schon Ursachenforschung betrieben und vieles davon ist mit Sicherheit richtig. Lerne daraus und dann ist der Lauf wertvoller für dich gewesen, als wenn du locker gewonnen hättest.
    Deine unruhigen Laufbewegungen im Schulterberich ist mir ebenfalls aufgefallen.
    Bleib gesund, dann läuft es sich in Hamburg auch leichter.

    Liebe Grüße Pesi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s