Fetisch (Tag 11)

Keine 48 Stunden mehr. Keine Zeit mehr um mögliche Fehler im Training auszubügeln. Keine Luft mehr um Rückstände zu kompensieren. Kein Zurück mehr, alles nach vorne. Über 100 Athleten an einer Startlinie. Über 100 Gegner in einem Rennen. Über 100 Prozent Kampfgeist.

Lasset die Spiele beginnen.

Schon seit etlichen Tagen kreisen in meinem Kopf Szenarien zu diesem Wettkampf in Dauerschleife herum. Nervös scharrende Spikedornen bilden eine lautstarke Kulisse, wo sich Menschen zur eigenen Motivation selbst mit der flachen Hand ohrfeigen. Jeder klatschende Schlag hinterlässt Brandflecken auf der eiskalten Haut. Unter mir knöcheltiefer Dreck durchsetzt von Schweiß, Spucke und dem ein oder anderen Tropfen Blut.

Ekelhaft und gleichzeitig absolut geil.

Welcher Fetisch, welche Perversität muss in mir innewohnen, um mich dieser Leidenschaft hinzugeben? Wie krank muss ich sein, mich mir selbst so auszuliefern? Mich bis zum Äußersten zu verausgaben, mit meinem Körper und meinen Kräften pokern und ALL IN gehen, ohne Limit. Immer noch einen Schritt weiter marschieren, trotz des Wissens, dass mir dieser das Genick bricht.

Probieren KANN ich es nicht, ich MUSS.

Über 100 Läufer an einer Startlinie. Über 100 in Granit gemeißelte Gesichter, ohne ein Lächeln, ohne ein Zucken, ohne Mimik. Über 100 Herzen, die sich um diese eine Krone schlagen.

Wer schwimmt, wer fliegt? Wer fällt, wer siegt?

Keine 48 Stunden mehr.

maik

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