Es war einmal,…. (Geschichten eines Epothekers)

Es war einmal in einem kleinen Örtchen Namens Wiesbaden. Dort lebte in einem kleinen Häuschen, ganz in der Nähe des verbotene Waldes eine junge Frau mit ihrer Schwiegermutter. Das Schwiegermütterchen war schon alt wie die große Birke und ihre Knochen gebrechlich wie das dürre Geäst der trocknen Fichte. Schon unzählige Male hat der Tod seine Finger nach ihr ausgestreckt, doch das clevere Schwiegermütterchen konnte immer wieder aus seinem Schwitzkasten entwischen. Dennoch war die Schwiegermutter stets auf der Hut und deshalb besaß sie auch für alle Notfälle einen magischen Medizinkoffer. Egal ob Husten, ob Schnupfen, ob Durchfall oder Herzrasen, Schwiegermütterchen war auf alles vorbereitet. Nur sie durfte an das Köfferchen und niemand sonst. Auch wenn ihre Schwiegertochter Simret wusste, dass sie die Finger von dem Koffer lassen sollte, versuchte sie es immer wieder an die geheimen Substanzen zu gelangen. Eines Tages, als das Schwiegermütterchen für einen Besuch in ihrem Kräutergarten vor die Türe verschwand, schlich sich Simret leise in das kleine Zimmerchen, in welchem der Koffer seinen Platz hatte. Vor Aufregung hielt sie den Atem an, während ihr Herz beinahe aus dem Halse sprang. Mit zitterten Händen öffnete sie die quietschende Tür und sah das Köfferchen in der Ecke des Raumes stehen. Ein letztes Mal schaute sie sich verängstigt um, ob das Schwiegermütterchen ihr nicht doch plötzlich auf die Schliche komme. Die Luft schien rein. Vorsichtig öffnete Simret die ledernden Laschen des Koffers. Sofort schossen ihr diverse Gerüche von Salben, Kräutern und Pastillen in die Nase. Sie konnte ihren Augen kaum trauen, was sie in dem Koffer alles zu Gesicht bekam. Coregatabs, Hühneraugenpflaster, Nasenspülsalz, TicTacs und vieles, vieles mehr. Vor lauter Freude wusste sie gar nicht, welche Creme sie zuerst auftragen, welche Pille sie zuerst einwerfen und welche Tropfen sie als erstes schlucken sollte. Plötzlich klopfte es an der Tür. Oh Schreck, dachte sich Simret, das ist bestimmt die Schwiegermutter. Sie mochte sich gar nicht ausmalen, was mit ihr passiere, wenn die Schwiegermutter sie vor dem Koffer kniend erwischen sollte. Ohne Verstand griff Simret in den Koffer, um soviel zu ergattern wie ihre dürren Hände nur greifen konnten. In ihrer Panik schmierte sie sich die Hämorridensalbe ins Gesicht, rieb sich mit Asperin den Hintern ein und schluckte die Tropfen einer ganzen Flasche, auf der mit roten Buchstaben das Wort EPO prangte. Als sie sich im letzten Augenblick umdrehte, stand in der Tür nicht wie von Simret erwartet ihr Schwiegermütterchen, sondern ein alter bärtiger Mann:

“Guten Morgen, ich bin von der NADA. Ich bin hier wegen einer Urinkontrolle.”

Und wenn sie nicht kontrolliert worden wäre, dann liefe sie noch heute.

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