Für eine Handvoll Dollar

Wo ich auch nur hinschaue in diesen vorolympischen Tagen, fliegen sie plötzlich alle auf. Und das so kurz vor den Spielen der Spiele. Schade. Aus der Traum. Dopingsünder soweit die Nadelspitzen nur reichen.

Von Kapstadt bis zum Nordkap, von Venezuela bis direkt in deine Vene.

Paar schwarze Schafe gibt es ja immer und es kann sich wirklich nur um einen dummen Zufall handeln, dass gerade die zuletzt gepackten Übeltäter wirklich schwarz waren. Oder um mich an dieser Stelle politisch korrekt auszudrücken, dass vermehrt maximal pigmentierte in Omas Trickkiste gegriffen haben.

Von wegen Höhenluft, Maisbrei und train hard.

Nach all den Jahren des Rückstandes, scheint die Wirtschaftsmacht Kenia endlich den Anschluss an die zweite Welt gefunden zu haben. Und nun läutet man auch auf dem Afrikanischen Kontinent voller Enthusiasmus unter nervigen Synthi Klängen und in neonfarbenen Leggings die 80er Jahre des medizinischen Sports unter dem Motto ein:

Wozu Brot für die Welt? Wir wollen Doping für alle!

Und als wir Leichtathleten in Westeuropa damit beschäftigt waren mit Blutbeuteln auf Profiradfahrer während der Frankreichrundfahrt zu werfen, ging am kenianischen Lagerfeuer anscheinend nicht nur die Friedenspfeife rum, sondern wohl auch das ein oder andere Spritzchen. Selbstverständlich nur Vitamine und auch nur während der Menstruation. Von verbotenen Mitteln hat der Medizinmann kein Sterbenswörtchen erwähnt. Außerdem wie heißt es so schön nach offiziellen internationalen Bescheißerregeln:

Gedopt ist nur der, der sich erwischen lässt.

Doch wer will ihnen einen Vorwurf machen? Schließlich geht es bei ihnen um die eigene Existenz. Da setzt man sich in der Not schon mal einen Schuss, langer vor dem eigentlichen aus der Startpistole. Wo auf dieser Welt lassen sich bitte sonst so billig Weltklasseathleten produzieren? Hätte jemand von uns Lust, sich für einen Hungerlohn ohne Gewissheit auf Erfolg, so abzurackern? Für eine Handvoll Dollar? Wenn wir billige T-Shirts bei H&M MADE IN INDONESIA kaufen, fragt auch keiner an der Kasse nach, ob da vielleicht verbotene Stoffe verwendet worden sind. Hauptsache es gibt für kleines Geld ein hübsches Shirt, dass ich nach 3 mal Wäsche wegschmeißen kann.

Nichts anderes ist es mit den Athleten MADE IN KENYA.

Wir wollen Weltrekorde, also bekommen wir Weltrekorde. Wir wollen Sensationen, also wirft man uns die Brocken hin. Paar schnelle schwarze Jungs, Alter und Name egal, schließlich sind die ja austauschbar wie die jüngste Vergangenheit zegt, und die Manager liefern. Zeitnah, pünktlich, mit recht ordentliche Qualität. Doch wehe einer stellt Fragen zum Produktionshergang, denn der weist, wie man nun sieht, doch einige Mängel auf.

Aber die sind spätestens nach der zweiten Blutwäsche vergessen.

In diesem Sinne: „Lasst die Spiele beginnen!“, bevor noch jemand noch mehr EPO ins olympische Feuer gießt.

maik

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