Knarrende Dielen (Noch 49 Tage)

Eingesperrte Stille in vier kahlen Wänden. Morgendliche Atempause in der sie sich ohne einen Mucks nach draußen davonstiehlt. Auf Zehenspitzen über den Boden schwebend. Alles was bleibt, ist der zerreißende Knall, der ins Schloss fallenden Wohnungstür. Schreckhaft dreh ich mich um zu ihr, doch ich bin wieder einmal zu spät und sie schon längst weg.

Wohin auch immer.

Sie hinterlässt eine Lücke, nicht groß, aber eine Lücke. Ein schmaler Spalt auf dem alten Holzfußboden. Fast unsichtbar, doch groß genug, um bei jedem Schritt zwischen Mitternacht und 1Uhr einen Ruf der Erinnerung hinauszubrüllen. Egal wie viele Teppiche ich auch darüber lege, das Knarren bleibt.

Leise, aber es bleibt.

Und es wächst. Also versuche ich in den Nächten nicht auf und ab zu wandern, starre dafür ins kühle Nachtblau und folge den letzten Lichtblitzen hinter meinen Augenlidern. Keine Melodie, doch ein Zwischenspiel, während der Spalt im Fußboden darauf wartet, mir seine Erinnerung in den Nacken zu küssen.

Nur ein Küsschen.

Jeder Versuch schneller zu sein als die davongleitende Zeit, scheitert kläglich. Jeder Griff nach ihr verfehlt, jeder Ruf verhallt. Und so stellt sich mir die Frage, wohin sie nun ist? Fort oder immer noch hier?

Wieder fällt die Tür ins Schloss. Wieder knarrt die Mitteldiele auf dem Fußboden. Wieder drehe ich mich schreckhaft um. Doch zu spät. Sie wartet nicht auf mich, also warte ich auch nicht auf sie. Zeit die Zeit in die Hand zu nehmen..

maik

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