Ich bin Laufoholiker (noch 40 Tage)

An manchen Tagen trainiert man besser, indem man das Parkticket für die Laufschuhe getrost um 24 Stunden verlängert und eine Einheit einfach mal sausen lässt.

Einfach.

Ja, wenn einfach doch immer so einfach wäre. Doch insbesondere ich tue mich damit immer so schwer, meinem Körper die nötige Ruhe zu verschreiben, selbst wenn er persönlich längst danach schreit. Doch was ist es genau? Was ist diese Form von Angst, die sich in mir, mit allen geistigen Mitteln dagegen wehrt für einen Tag PAUSE zu drücken. Ist es wirklich nur der völlig stupide Gedanke, man könne bei einem Tag Trainingspause etwas dort draußen verpassen? Vielleicht muss ich an dieser Stelle endlich einmal ehrlich zu mir selbst sein und dabei aussprechen, was in meinem Kopf schon seit Jahren herumschwirrt: Es ist die Sucht.

„Hallo, mein Name ist Maik Wollherr und ich bin Laufoholiker.“
„Hallo Maik!“

Die Sucht nach Kilometern, die Sucht diese Meter wahllos in mich hineinzustopfen, bis mir davon übel ist, ich mich davon beinahe übergebe und dann doch wieder losrenne, um noch einen klitzekleinen Nachschlag davon zu bekommen. Eine Form der Angst, die aus dieser Sucht heraus entsteht, die Welt rennt mir davon, wenn ich es heute nicht schaffe meine Kilometer zu fressen.

Was für ein Quatsch.

Das sage ich vielleicht jetzt, mit ein wenig Abstand, mit ein wenig Reflexionsvermögen. Nichtsdestotrotz wühlt es mich immer wieder auf, immer wieder von neuem. Teilweise bringt es mich um meine kostbaren Schlafstunden, lässt mich nächtelang grübeln, mit dem Ergebnis, am nächsten Morgen völlig übermüdet doch wieder die Schuhe zu schnüren und mich im Dunkeln aus dem Haus zu schleichen.

Nur für eine kleine Runde. Nichts Großes. Eben nur ein Schuss von dem guten Zeug.

Und schon hänge ich wieder am Schnürsenkel. Wenn Andreas Niedrig es vom Junkie zum Ironman geschafft hat, dann ist der Weg vom Langstreckenläufer zurück zum Junkie eine klassische Wendepunktstrecke, bloß eine Autobahnausfahrt weiter. Vielleicht befinde ich mich ja schon mitten auf dem Highway to Hell? Vielleicht ist der Weg, in welche Richtung auch immer, schon eingeschlagen und ich bestimme nun mit welchem Stoff ich ihn pflastern werde. Während ich mir noch bei Sonnenlicht den Kopf darüber zerbreche, genieße ich meinen freien Tag seit langem, denn heute steht mit rosa Lettern im Trainingsplan:

FREI(HEIT)

maik

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