Asyl in Kenia (nur noch 39 Tage)

Geht es nach Julius Kirwa, dann sind einige ausländische Athleten in Kenia bald nicht mehr zum Training willkommen. Der Cheftrainer sieht einen Grund für die Niederlagen bei den Olympischen Spielen in London (Großbritannien) darin, dass sich die Gäste vor allem taktisch einiges abschauen konnten.

Plötzlich sind wir nicht mehr erwünscht. Na toll. Noch nicht einmal dort gewesen und schon aus knapp 13 000km Entfernung wieder abgeschoben.

Zurück an den Absender.

Wo sollen wir denn jetzt bitte hin? Athleten wie uns will man ja nicht einmal hierzulande mehr. Was bleibt uns denn dann überhaupt noch übrig? Wir haben hier doch nichts. Hier in Pankow werde ich schief angeschaut, wenn ich das Tempolimit von 10km/h im Park überschreite und all die Club Mate Mütter samt Kinderwagen in die trübe Plörre der Panke werfe, weil sie beim laktosefreien Joga-Power-Walk großspurig die Fahrbahn blockieren . Auf dem Flughafen Tempelhof erteilen sie mir keine Starterlaubnis mehr und seit unserem Hauptgewinn im Kissingenstadion haben Kamil und ich auch dort Hausverbot. Viele Trainingsorte bleiben da also nicht mehr übrig.

Darum trainiere ich nur noch heimlich, an zwielichtigen Orten unter verdecktem Namen, mit Plastiknase und falschem Bart. Bloß als kleine Vorbereitung für meinen geplanten Keniaaufenthalt vor den nächsten internationalen Großereignissen. Sogar eine Flatrate für das Sonnenstudio in unserer Straße habe ich mir besorgt, damit ich Kalkleiste zumindest den Hauch afrikanischer Läuferbräune erhasche und erst auf den zweiten Blick zwischen all den Kiprutos und Kipdochmaldasbieraus auffalle. Aber wie gesagt, alles strenggeheim.

Also pssst.

Wie stellen die sich das bitte in Kenia vor? Wollen uns einfach zum Training nicht mehr in ihr Hochland lassen. So sehen also schlechte Verlierer aus. Wer möchte sich denn bitte von denen etwas abschauen? Und dann auch noch in Sachen Taktik? Bevor die Jungs dort unten überhaupt von Taktik reden dürfen, geben deren Trainer hier Kaderlehrgänge in Sachen Hindernistechnik. Aber ist in Ordnung, vielleicht können wir ja dann den Deal abschließen, dass die Jungs und Mädchen aus Kenia nicht bei europäischen Meetings starten dürfen. Ganz im Sinne der Gleichberechtigung und am Ende bleibt Kenia wie schon so oft in der Geschichte sich selbst der schwerste Gegener. Bis dahin verhalte ich mich hier weiter unauffällig und warte bis die Sonne untergegangen ist, um eine kleine Runde durch die Sackgasse zu drehen.

maik

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s