Will oder darf er nicht? (noch 37 Tage)

Auch wenn zwischen dem heutigen und den letzten olympischen Tage von London mittlerweile schon ein bisschen Zeit ins Land gegangen ist, stoßen mir hin und wieder ein paar unverdaute Ungereimtheiten auf, die in meinem Mund einen merkwürdigen Nachgeschmack hinterlassen haben. Dabei sind es nicht einmal die umstrittenen Siege überführter Dopingsünder oder der beißende Uringeruch, der aus den Plantschbecken der Schwimmhalle nach außen dringt, sondern letztendlich ein Lauffinale, dessen Puzzelteile in meinem Kopf nicht so ganz zusammenpassen wollen. Ich rede hier von dem Lauf über 800m der Frauen. Auf den ersten Blick nichts besonderes. 8 Frauen oder 7,5, ganz wie man(n) es betrachten möchte, verteilt über verschiedene Kontinente, Olympiasiegerinnen, Favoritinnen, Underdogs.

Alles mit dabei.

Nach dem Startschuss ordnen sich alle brav ein, es geht mit 56sec für die führenden Mädels auf der ersten Runde flott zu, also kein großes taktisches Geplänkel und auf den letzten 200m macht die Dame aus Russland dann den Sack zu. Bei knapp 29,80sec für die halbe Stadionrunde kann ihr keine Konkurrentin aus dem Feld mehr folgen, sodass sie am Ende mit 1:56.19min die Sache für sich entscheidet.

Keine Jelimo, kein Semenya.

Dabei waren beide nah dran, der eine sogar näher als die andere. Betrachtet man das taktische Verhalten von Semenya von Beginn an, wirft ihre Renngestaltung für mich doch einige fragen auf. Denn pflückt man das Rennen mal mit zwei Stoppuhren auseinander (die folgenden Zeiten sind also von mir handgestoppt und jeweils gerundet), fällt einem direkt auf, dass Semenya und die spätere Siegerin Savinova lbeinahe identische Zeiten laufen. Die 200m Marke wird von beiden bei knapp 27,60sec passiert und auch eingangs der Schlussrunde, kleben die beiden Läufer(innen) noch nahe bei einander (meine Uhr stoppte 57,20sec für Savinova & 57,50sec für Semenya). Im weiteren Abschnitt des Rennens, insbesondere zwischen 450m und 550m und dann zwischen 600m und 700m brachte die Russin ihre stärksten Abschnitte des gesamten Rennens und lief die jeweiligen 100m in 14,25sec, wohingegen Semenya nicht einmal unter 15sec blieb.

Na, dann ist doch kahl, wieso sie nicht gewonnen hat.

Ist es das? Denn pickt man sich die letzten 200m der beiden doch noch mal heraus und schaut sich die Zusammensetzung der jeweiligen Schlussspurts an, wird deutlich: auch hier nehmen sich die beiden nichts (ca 29,80sec für beide). Aber, nun kommt etwas, was mich verwundern ließ, denn Semenya liefert in 14,82sec von beiden die besseren letzten 100m ab (Savinova 15,40sec). Zum einen mag es daran liegen, dass Semenya noch um eine Medaille kämpfen musste, während sich Savinova bereits ihres Sieges sicher war und ihre letzten Meter vor der Ziellinie genießen konnte. Nimmt man aber nach dem Fotofinish beide Läufer(innen) mal genau in Betracht, fragt sich selbst der größte Laie,

Sag mal, ist der mit dem gelben Trikot auch gerade gelaufen? Der sieht so frisch aus.

Vor 3 Jahren gewann Semenya hier in Berlin bei den Weltmeisterschaften im Alleingang und in 1:55.45min Gold über 800m, nachdem sie im Jahr zuvor als 17 jährige 2:04.23min lief. Viele Diskussionen um sein Geschlecht und unzählige Einschüchterungsversuche seines Verbandes später, präsentierte sich der/die/das Athlet aus Südafrika immer wieder in den unterschiedlichsten Formen, zumeist mehr flop als top. Schon vor einem Jahr in Daegu zweifelte ich an ihrer Glaubwürdigkeit als Läuferin, nachdem sie auf den letzten Metern in mir folgenden Ausruf erzeugte:

Die wollte nicht gewinnen!

Oder darf sie es vielleicht nicht? Meine Theorie dazu lautet wie folgt, dass die IAAF und Caster Semenya ein Abkommen über ihr Geschlecht getroffen haben und man sie insofern dulde, solange sie kein Aufsehen errege und nicht gewinne. Doch wie gesagt, bloß eine Theorie. Möge Mann sie widerlegen .

maik

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