Flashbacks (noch 3 Tage)

Gefühlte 40°C auf dem brennenden Asphalt. Getränkeflaschen? Leer. Wasserflasche zum Abkühlen? Leer. Ground Zero, am Fuße des Ostercappelner Berges. Keine 2 Kilometer mehr bis zur Haustür, nur noch ein letzter langer Anstieg im Schatten des Waldes. 10 Kurven, die sich am Hang des Wiehengebirges nach oben schlängeln. Meinen Beinen nach zu urteilen, müsste an dieser Stelle längst Schluss sein, doch Nikkis Stimme auf dem Fahrrad spricht etwas anderes.

„Los Boi, den Schnitt hältst du am Berg!“

Und ich halte. Ich halte meine Klappe, ich halte das Tempo. Ich funktioniere nur noch. Jeden Zentimeter Schatten dankt mir mein Körper mit einem Hauch Beschleunigung. Nikki treibt mich weiter an, peitscht mich Schritt für Schritt, Tritt für Tritt weiter hoch. Meinen Blick nur noch auf den unter mir liegenden Asphalt gerichtet, fliegen die Markierungen am Wegrand nur noch so an mir vorbei.

Noch 500, noch 400, noch 300.

Noch eine letzte Kurve. Unaufhörlich schiebt mich Nikki mit Worten den Berg hoch, immer wieder. Von hier aus kann ich die Kuppe der Asphaltstraße und das Ortschild von Ostercappeln schon sehen, wenn auch nur verschwommen. Alles flimmert und die Hitze gewinnt im Endspurt die Übermacht. Mir erscheinen Gegner aus vergangenen Jahren. Welche über die ich triumphierte, welche denen ich erlag. Auf den letzten Metern des Anstiegs atme ich sie alle mit einem Zuge aus und lasse sie hinter mir.

Für einen Augenblick klingelt es schrill in meinen Ohren bis absolute Stille in der Mittagssonne einkehrt. Ein letztes Mal treibt mich Jan-Niklas an. Immer weiter, immer vorwärts.

„Los Boi noch mal beschleunigen!“

Und ich beschleunige, immer wieder, immer vorwärts.

Ostercappeln, 20. Juli 2012

In diesen Tagen kurz vor dem Marathon erscheinen mir immer wieder Sequenzen verschiedenster Ereignisse und Trainingseinheiten auf meinem geistigen Bildschirm. Einheiten, die es in sich hatten, die mich bis aufs letzte forderten, die ein Lichtblick waren, aber auch die Einheiten, die mich verzweifeln ließen. Trainingspartner, die mich auf dem Weg hier her begleitet haben, die mich mit all ihrer Macht unterstützten und mir beistanden. Danke, für jeden Meter, auf denen ihr mich begleitet habt. Am Sonntag muss ich den Weg allein gehen, auch wenn ihr vor dem Fernseher, am Straßenrand, ja einige sogar auf dem Rad an mich denkt, bleibe ich am Ende alleine mit mir selbst. Ich weiß, was ich alles für diesen Sonntag unternommen habe und weiß, worauf ich mich verlassen kann.

Und zwar auf mich selbst.

Zeit, dass es endlich losgeht.

maik

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