Neue Strecke, neue Erfahrung

über 7 Brücken

23.Februar 2013, 9:45Uhr.

Eintritt in die Dortmunder Leichtathletikhalle, die beinahe noch so müde ist wie ich selbst. Vereinzelte Zuschauer haben auf der Tribüne Platz genommen, einige Athleten sitzen nervös gähnend neben ihnen. Es lässt sich annehmen, dass die Halle bald vor Euphorie und Jubel getroffen wird. Schließlich ist es ja auch nicht irgendein Event das hier stattfindet.

Es sind die Deutsche Meisterschaften der Männer und Frauen.

Nicht ganz unentspannt bin ich damit beschäftigt, meine Laune mit guter aufweckender Musik aufrechtzuerhalten, mir Mut zuzusprechen und den mir wochenlang eingetrichterten Spruch vorzusagen „Ich bin stolz auf mich selbst, ich kann das“ ! Mental bin ich topfit, konzentriert, da!

Der Prozess des Einlaufens rückt näher.

Ich begebe mich in den Aufwärmbereich, nehme Konkurrenzgesichter war, fange langsam an meinen Blick zu fokussieren. Ich. Der Tunnel durch den ich durch muss.

Langsam ist es soweit. Callroom. 20min überflüssige Zeit die man damit verbringt, den Gegnern in die Augen zu sehen, sie nervös zu machen oder sich selbst nervös machen zu lassen. Da ich mir bewusst bin, nicht DEN COUP zu landen, ist wohl eher letzteres der Fall.

Dennoch. Volle Konzentration auf den Lauf. 1. Lauf, 1.Reihe ganz außen.

Man zieht sich aus, lächelt der Korbträgerin noch einmal nervös zu und hofft, dass sie einem Glück bringt. Man stellt sich auf seinen Platz, haut sich nochmal doll ins Gesicht um die letzten Nervenenden zu wecken und stellt sich zum aufgeforderten Zeitpunkt an die Linie.

BÄM.

Es geht los.

Schnell ist klar, dass ich mich hinter der Gruppe einreihen werde, eine gute Position, hinter dem Feld, noch dich dran. 200m sind rum. Ich bin drin. Die vorgegebenen Zeiten stimmen. 400m. Alles läuft nach Plan, der Gedanke jedoch „verdammt..ich muss noch 2Runden..“. 600m. Ich überhole eine Läuferin, bringe alle Kraft zusammen und trete an. Denn das Motto der Trainingscamps lautete

„Wenn ich nicht mehr kann, beschleunige ich!“

650m. Es wird allmählich schwer. Die reingerufene Zeit passt gerade noch.

700m. Ich kann nicht mehr, versuche noch anzutreten.

750m. Ich fühle mich übersäuert, versuche zu retten was es zu retten gibt.

800m. Ich sehe die Zielzeit, ich sehe die weiterlaufende Zeit und jene, bei der ich ins Ziel komme.

„Verdammt!“, schießt es mir durch den Kopf. Ich war mir zumindest meiner Bestzeit sicher, doch die letzten 150m liefen echt suboptimal. Meine Beine waren platt, brannten auf den letzten Metern und ich konnte nicht dagegen ankämpfen.

Ärgerlich.

Und dennoch. Es war ein Event, wie ich es lange nicht erlebt habe. Meine ersten Meisterschaften in einer ungewohnten Disziplin. Vor jubelndem Publikum hinterherzurennen ist dann doch noch besser als vor leeren gähnenden Plätzen.

Ich habe nicht ganz erreicht, was ich mir insgeheim vorgenommen habe. Die Gründe können spekulativ vielseitig ausgelegt werden. Fakt ist, dass ich im Nachhinein sehr zufrieden bin, an mentaler Stärke fitter nicht hätte sein können und das ich dabei war, obwohl wir nicht einmal mit einer Hallensaison geplant haben.

Nun wird also die Brücke zum Sommer gebaut, wo es wieder heißen soll :

Deutsche Meisterschaften.

eure Siri

3 Gedanken zu „Neue Strecke, neue Erfahrung

  1. Glückwunsch zur insgesamt ungeplant starken Hallensaison!
    Die Schlagwörter zum Bericht sind auf jeden Fall treffend ausgewählt und lassen Einiges für den Sommer erwarten.

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