Gut gemacht („Maik, räum mal dein Zimmer auf“ / Tag Nr. 9)

Lob, Anerkennung und ein Bild vor der Truppenfahne. So ein genau platziertes Lob, egal ob auf der Arbeit oder beim Training, bewirkt wirklich große Wunder und besitzt definitiv mehr Macht, als wir uns vorstellen können. In einer Gesellschaft wie dieser, in welcher Anerkennung nicht mehr durch einen prallgefüllten Präsentkorb und dem warmen und bestimmten Händedruck des Vorgesetzten repräsentiert wird, sondern durch einen Klick auf den LIKE-BUTTON bei facebook, empfindet man den verbalen Klopfer auf die Schulter schon beinahe als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

Gut gemacht.

Na toll, jetzt hab ich das also auch noch gut gemacht, dabei habe ich mir in etwa so viel Mühe gegeben wie eine Kuh bei der Enddarmreinigung. Was soll das also heißen dieses „gut gemacht“? Meint er das jetzt ironisch, schwebte da nicht doch ein Hauch Sarkasmus mit in seiner Stimme. Gut gemacht. Ja selber gut gemacht. Und was kann ich mir nun davon kaufen von diesem „gut gemacht“? Wo finde ich dieses „gut gemacht“ auf meiner Gehaltsabrechnung wieder? Bestimmt steckt dahinter ein sanftes Streicheln, bevor man mich mit ungeputzten Stiefeln vor die Tür kickt.

Gut gemacht.

Lob verwirrt uns, weil ja bereits ein Danke von außen aussieht wie eine billige Anmache. Da holt die alte Dame schon ihr Pfefferspray aus der Handtasche, wenn man mal höflich die Tür aufhalten will. Ohne böse Absicht, junge Frau. Ich will von Ihnen gar kein „gut gemacht“ hören, nicht einmal ein „danke“, lassen Sie nur „bitte“ ihr Pfefferspray in der Tasche, danke.

Gut gemacht.

Hier auf dem Landen kennt nicht nur jeder jeden, sondern jeder kennt jeden besser. Isso. Ob ich den Gegenüber auf der anderen Straßenseite also kenne, spielt gar keine Rolle, denn ich muss davon ausgehen, dass er mich bereits kennt. Also werfe ich mal ein freundliches „guten Morgen“ rüber. Wie schon bei der alten Dame ohne jeglichen Hintergedanken. Einfach aus Höflichkeit, weil es sich hier so gehört. Nach unserem letzten Aufenthalt, der mehr als nur 48 Stunden dauerte, mussten Siri und ich uns in Berlin wieder auf die Lippe beißen, damit wir die Leute auf der Straße nicht im eingeimpften Wahn der Freundlichkeit grüßten.

Gut gemacht.

Im Abschlussgespräch meines letzten Praktikums riet man mir sogar dazu mich weniger im Alltag zu entschuldigen. Natürlich lautete damals meine Reaktion darauf „Entschuldigung“. Seitdem springe ich den Leuten in der S-Bahn permanent auf den Füßen rum, furze beim Verlassen der Wagons noch einmal in den Vierer und knalle den Leuten die Tür vor der Nase vor.

Gut gemacht.

Lob, Kritik, Anerkennung und Aufmerksamkeit sind kein Abfallprodukt des sozialen Zusammenseins und wenn doch, dann darf es dafür schon mal eine besondere Tonne im Hinterhof unseres Kopfes geben. Denn es verändert was in uns. Doch wir nehmen es viel zu selbstverständlich oder fassen es falsch auf, vielleicht sogar ohne böse Absicht. Als ich beim Durchblättern meiner Schulhefte der 2ten oder 3ten Klasse zwischen den Seiten zunächst ein markantes „teilweise gut“ nach einigen „prima“ mit Sternchen entdeckte, wobei das teilweise noch in Klammern gesetzt war, musste ich selbst nach Jahren noch tief schlucken, als ich am Ende des Heftes folgendes las:

Gut gemacht oder auch nicht

Sofort setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann in Schönschrift die Aufgabe abzuschreiben und natürlich an die alten Reihen zu denken. Gott sei Dank, ich kann es noch.

Gut gemacht.

maik

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Training heute:

morgens: 30min EL + Laufkraft

abends: 8 x 1000m (Bahn)

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