Überrasch uns, Jan!

Jan FitschenNebel schleicht sich quälend über den Asphalt, als schlucke diese zähe Masse aus Nichts Meter für Meter in sich hinein. Unter und über ihr nur Stille. Die Stadt schläft und doch kreist bereits dieser Dunst von Aufbruch seit Anbeginn der Dämmerung in der Luft, der hin und wieder an den Ecken und Kanten alter Hausfassaden ins Stolpern gerät. Wacklig balancierend wie betrunkene Pärchen auf dem dünnen Seil gesponnen aus Aufbruch, Umbruch und Abbruch.

Ohne Netz.

Der eine fällt, der andere hält. Hält dagegen oder erhöht ums Doppelte. Alles oder nichts. Wer zuerst loslässt, hat verloren. Also hältst du fest, krallt dich an alles was dir zwischen Daumen und kleinem Finger innerhalb dieser mikrigen Handfläche geblieben ist.

Besonders dann, wenn Aufgeben nie eine Alternative für dich gewesen ist.

Lieber lässt du dir deine Hand abreißen, als diese Faust, in der du all das festhälst, was du besitzt, nur einen Milimeter zu öffnen. Denn du weißt, wenn du in diesem Augenblick nur den Hauch einer Sekunde nachgibst, nehmen sie dir im nächsten Herzschlag alles. Also beißt du auf die Zähne, beißt die auf die Lippe, beißt dir in die Zunge. Auch wenn sie alle um dich herum längst flüsternd zu Wort bringen, was du noch nicht einmal gewagt hast in Gedanken zu fassen. Und egal wie laut aus dem Tuscheln ein Reden wird, deine Ohren bleiben taub.

Besonders weil Aufgeben nie eine Alternative für dich sein wird.

Ich kann Jan Fitschen nur zu gut verstehen, wenn er sagt: „Offiziell will ich meinen Rücktritt aber noch nicht erklären. Ich schaffe es nicht zu sagen, so, das war es.“ (hier das ganze Interview) Denn jeder Sportler, der schon einmal die breite Amplitude zwischen Betonboden, Atmosphäre und wieder zurück zur knallharten Ebene der Realität in seiner Karriere erlebt hat, will und wird sich niemals damit zufrieden geben, dass die horizontal Lage auf dem kalten von Nebel bedecktem Asphalt, die sportliche Endstation bilden soll. Jeder Sportler, der den Geschmack dieses einen Tages kennt, der den Hunger sämtlicher Dürrejahre stillen kann, will und wird niemals die Henkersmahlzeit runterschlucken, die ihm unzählige Mikrowellenköche auf den Tisch servieren. Denn solange du noch immer den süßen Nachgeschmack von einst nicht vergessen hast, dir die Hoffnung bleibt, doch noch einmal einen Bissen von deinem persönlichen Kuchen zu bekommen, bleibst du lieber hungrig als dich zu früh abspeisen zu lassen.

Lieber Jan, du kennst die Amplitude des Erfolgs besser als jeder andere Läufer in Deutschland und gewiss sind die letzten Jahre nicht spurlos an dir vorbeigezogen, Ja, sie mögen flüstern, sie mögen tuscheln und reden, doch lass den Burger, den sie dir versuchen aufzutischen doch noch einmal links liegen. Du hast schon sooft für das Fitschen-Moment gesorgt, bist genau dann explodiert, über dich hinausgewachsen und hast für die Sensation gesorgt, wenn wir dich alle bereits mehrfach abgeschrieben haben wie früher Hausaufgaben im Bus. Ball die Faust noch einmal fester zusammen als je zuvor und lass die unaussprechlichen Worte noch mal hinten den Lippen abwärts verschwinden.

Überrasch uns noch einmal.

Maik

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