Justin wer? – ein Mann ohne Namen & Gesicht

JustinWer

Während Deutsche Senioren ungeduldig mit verkrümmter Hornhaut an Füßen und Augen auf die tickende Kuckucksuhr ihres kleinen 1 Zimmerapartments blicken und es dabei kaum erwarten können, dass dieser elendig und schier endlos lange Tag endlich mal seinen Buckel in Richtung Sonnenuntergang reckt, klopft in der Wüste von Doha ein alter Mann noch einmal all den Staub von seinen Knochen, um seine verpasste Jugend nachzuholen. In zu Hochglanz polierten Spikes und einem knappen Einteiler, der keine Falte seines Alters vertuscht, saust er so flink und so leichtfüßig wie nie zuvor über das knallrote Gummiparkett.

Angetrieben von…. nennen wir es „Erfahrung“ und vielleicht ein wenig Granu Fink.

Doch diese zurückerrungene Pupertät des Justin G. macht selbst Experten stutzig und zweifellos kann man bei ihm fast schon von einer armen Sau sprechen.

Alles beginnt mit seinem Namen: Justin. Seien wir mal ehrlich zu uns selbst, hier in Deutschland hätte der gute Justin längst seinen sozialen Stempel auf die Stirn tätowiert bekommen. In falscher Rechtschreibung und mit wasserfester Tinte. Lange vor dem Startschuss, ja schon beim Vorlesen der Startreihenfolge durch den Kampfrichter, wäre sein Rennen bereits beendet. Man stelle sich also nur mal bildlich vor, wie sich der Sprinter stilecht in Jogginghose, silberblauen AirMax und natürlich mit der standesgemäßen Bauchtasche bei einem der zahlreichen Meeting-Directors vorstellen würde:

„Hallo, ich bin der Justin und ich kann ganz schnell rennen“

„Das ist ja Klasse Justin. Hier hast du ein Mandala, mal das mal aus“

Nicht mal als Leuchte bei einem Abendsportfest würde man ihn dann engagieren. Dass man dem Justin dann auch noch eins mit der ADHS Keule übergebraten hat, um damals Dopingvergehen Nummer 1 zu entschuldigen, macht es mit den Vorurteilen ihm gegenüber natürlich nicht einfacher.

Ich habe keine Diagnose, aber zwei polnische Elternteile, ich weiß wovon ich da spreche.

Zu guter Letzt bleibt dann auch noch diese unübersehbare Lücke in seinem Lebenslauf und die daraus resultierenden Fehlzeiten in den Statistiken. Nicht gerade ein Aushängeschild für die persönliche Bewerbung.

Ist es also ein Wunder, dass der Justin heute ist wie er nun mal ist? Dürfen wir ihm überhaupt einen Vorwurf machen? Ja dürfen wir und nichtsdestotrotz oder in seinem Fall in neuer Rechtschreibung nichtsTESTOtrotz, sind es die Sportartikelhersteller und Meeting-Directors, die es ihm ermöglichen Sport auf diesem Niveau zu betreiben. Ohne Startmöglichkeiten bei den großen Meetings, gäbe es auch kein Interesse für Sponsoren Justin in neue Einteiler zu stecken. Doch solange die Einladungen nicht ausbleiben, hüpft er weiterhin für die Sponsoren den ganzen langen Sommer von Stadion zu Stadion und von Kamera zu Kamera. Und selbst jede negative Meldung abseits des positiven Befundes, wie die Ausladung vom Meeting in Peking, lässt die Kassen der Sponsoren klingeln. Jedes Bild, das die online-Magazine von ihm abdrucken, jeder Facebook-Post, jeder Tweet mit seinem Namen oder Hashtag füttert diesen Verbrecher. Wir füttern diesen Täter. Dessen müssen wir uns bewusst sein.

Punkt.

Um Nachahmern die heroische Wirkung eines Amoklaufs an Schulen zu nehmen, rieten Psychologen dazu, den Namen sowie Bilder des Täters in Zukunft nicht mehr in der öffentlichen Mediendarstellung zu nennen oder zu zeigen. Für manchen mag der Vergleich hinken oder humpeln und vielleicht auch zu weit hergeholt sein, Justin G. mit einem Amokläufer auf eine Ebene zu stellen, doch ich möchte damit bloß meinen persönlichen Standpunkt klarstellen:

er ist ein Verbrecher.

Er schadet unserem Sport. Er beklaut andere Menschen. Er ist ein Betrüger. Jetzt ist jeder selbst gefragt, möchte ich mich mit Justin zum Spielen verabreden, möchte ich so einen Menschen unterstützen? Hat dieser Mann eine weitere Chance verdient?

Nein.

Solange Veranstalter ihn zu Meetings einladen, er den Headliner eines Stadionfestes bildet und man ihm dort eine Plattform schenkt, ist Justin G. nur bedingt ein Vorwurf zu machen und wir Sportler scheinbar machtlos. Scheinbar, denn wenn wir ihn schon nicht ein- oder ausladen können, so bleibt uns immerhin noch die Macht diesen Menschen zu ignorieren, Beiträge mit seinem Namen nicht mehr zu liken oder zu teilen und dabei sogar so weit zu gehen, diesen Menschen für uns persönlich zu streichen. Von seinem Namen bis zu seinem Gesicht.

Ich für meinen Teil habe dies gemacht. Ab jetzt.

Justin wer?

Maik

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