Förderunterricht

Als ich 2007 Deutscher Juniorenmeister über 3000m Hindernis wurde, erfüllte sich für meinen Papa und mich ein großer Traum nach Wochenlanger akribischer Vorbereiung. Wir waren auf alle Szenarien eingestellt, hatten Plan F, I, C und sogar Plan K in der Hosentasche und wussten, gerne ein andern Mal liebe Leute, aber der heutige Tag ist unser. So war es dann auch. Rest is History. Damals diente ich nach den 9 Pflichtmonaten als freiwillig Wehrdienstleistender an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf und hatte dort mit Franz-Josef Dierkes meinen Förderer, der mir dort viele Möglichkeiten eröffnete, sodass ich auch ohne Sportfördergruppenzugehörigkeit nahezu optimale Bedingungen vor Ort genießen durfte. Das ist alles andere als selbstverständlich und bis heute bin ich dem Franz für seinen Einsatz sehr dankbar.

Nach meinem Titel 2007 hoffe ich auf einen Platz in der Sportfördergruppe, was mir jedoch ohne Kadernorm verwehrt blieb und doch wollte sich der DLV erkenntlich zeigen und meinen Vorgesetzen in Warendorf ein Dankschreiben für ihre Mühen und meinen Freiheiten zukommen lassen. Auf das Stück Papier des damaligen und auch noch heutigen Bundestrainer Werner Klein wartet man bis heute vergebens. Auch so kann Förderung aussehen.

Anders der Niedersächsische Landesverband, der mir 2004 großes Vertrauen schenkte, mich in den Landeskader aufnahm, bevor absehbar war, wohin mein Weg führen könnte. Letztendlich hat mir diese Entscheidung damals einen großen Push von der Jugend zur Männerklasse gegeben, mich an miesen Tage motiviert und mir durch Lehrgänge gezeigt, dass ich mehr an mir arbeiten muss, wenn ich mehr von mir selbst möchte. So muss Förderung aussehen. 

Es brauch manchmal nicht die große Kohle, sondern einfach das Vertrauen in einen. Mehr wert als jeder Geldschein. 

Doch leider beginnt die meiste Förderung in Deutschland erst dann, wenn der Karren bereits mächtig in Fahrt ist. Den Weg über die Felder und Äcker, ohne Tankstelle und Rastplatz weit und breit, fährt man meist alleine oder mit Mama und Papa. Also wer dort draußen nimmt dich ein Stück mit über die Landstraße, bringt dir bei wie man Reifen wechselt, wenn du eine Panne hast und navigiert dich zur Autobahn? Wer setzt noch auf einen Underdog, der vielleicht nicht das größte Talent mitbringt, dafür aber die absolute Bereitschaft in sich trägt, für diesen Sport alles herzugeben, was er hat? Das Projekt ICH FÖRDERE DICH von der baldigen Laufrentnerin Annett Horna und ihrem Lebensgefährten dem amtierenden Deutschen Marathonmeister Marcus Schöfisch hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Ab dem 1. Januar 2017 wollen sie auf 2 Underdogs im Laufgeschäft setzen, sie finanziell mit 100€ monatlich unterstützen und vor allem ihnen ihr Vertrauen aussprechen. Gesucht werden Mädchen und Jungen zwischen 18 und 25, denen genau diese Art der Förderung fehlr. Ein großartiges Projekt, das ganz sicher hält, was es verspricht und soviel Zuspruch braucht, wie die beiden Mentoren ihren zukünftigen Athleten zuwenden wollen. So eine Förderung von Privatpersonen in dieser Form von Athleten für Athleten hat es in Deutschland noch nie gegeben. Annett und Marcus setzen damit nicht nur einen Grundstein, sondern vor allem ein Zeichen, dass sie an diesen Sport glauben. Gründe aufzugeben gibt es genug, Gründe anzufangen und durchzuhalten gibt es noch mehr. Annett und Marcus sind zwei weitere. Auch wenn ich nicht mehr 25 bin. Danke euch beiden für dieses Zeichen. 

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