Mit Geschmack 

Mund taub. Lunge brennt. Herz sticht. Und aus der tiefe des Körpers steigt ein Geschmack auf, den man als Läufer sucht, nicht immer findet und manchmal sucht er auch dich auf. Lange habe ich genau diesen Geschmack nicht mehr im Mund gehabt. Ihr rede nicht von Knoblauch. Nicht von Alkohol. Ganz sicher nicht von Kippen. Dort draußen verfügt nur ein Stoff über diesen einzigartigen Geschmack. Die Rede ist von diesem süßlichen Blutgeschmack, wenn die Lunge mehr hergibt als eigentlich hineinpasst. Erst pfeift sie. Dann platzt sie. Und kurz bevor es innerlich knallt, steigt dieser Geschmack auf. Spätestens dann sollte man einfach aushören, stehenbleiben, hinfallen und nicht mehr aufstehen. Doch genau zwischen Pfeifen und Platzen setzt der Kopf aus. Und Worte wie aufhören, stehenbleiben, umfallen und liegenbleiben, zerschneiden im scharfen Zischen aus den Lungenflügeln in tausend Einzelteile und flattern als Schnipsel zu Boden. Also laufen die zwei bereits leblosen mit Fleisch umschlungenen Knochen unterhalb des Bauchnabels weiter, obwohl sie dazu gar nicht mehr in der Lage sind. Noch ein Stück, noch einen weiteren Schritt, noch einen Meter, auch wenn die Schrittlänge schon lange keinen Meter mehr misst an diesem Berg. Und plötzlich ist er da. Dieser Blutgeschmack. Oft kopiert. Nie erreicht. Kein Schlag in die Fresse kommt da auch nur im Ansatz ran und doch muss man sich mit sich selbst prügeln, um zwischen Unter und Oberkiefer diesen erlesenen Geschmack zu erzeugen. Als hätte ich in einen Haufen rostiger Nägel gebissen, steigt er eisig aus der Lunge nach oben, während ich den Berg nur langsam hinter mir lassen kann. Ein letztes Mal. Für heute. Doch der Geschmack bleibt erstmal. Für heute. Bis sich wieder Brand in den Lungenflügeln breit macht, sich Beine und Mund mit Taubheit belegen und der erlesene Geschmack sich breit macht. Für heute. Gesucht und gefunden. Für immer.

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