Gewohnten Lauf

Hängende Köpfe warten in der morgendlichen Dämmerung am Straßenrand auf ihren Bus, darauf dass ihnen der Tag die Hand reicht, nach der sie nie gefragt haben. Ampeln wechseln von grün zu rot und zurück zu grün. Die Stadt erwacht nicht, weil sie nie schläft. Die Stadt gewinnt nur an Geschwindigkeit und ihr vermeintlicher Stillstand war nur eine Momentaufnahme zwischen gestern und heute. Alles nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Alles rollt. Bauarbeiter reißen wieder Straßen in zwei. Straßenfeger versuchen den Dreck von gestern zu beseitigen. Auch wenn dafür ein Besen alleine nicht reicht. LKWs bahnen sich wieder ihren Weg dort vorbei, wo er 36 Stunden zuvor verfehlt wurde. Alles nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Alles rollt. Nicht ganz, denn nach zahlreich trostlosen Morgenstunden in farblosem grau, blitzt heute die Sonne durch die Bäume des Tiergartens hindurch. Kurzer Lichtblick. Stillstand aufgehoben.Alles nimmt seinen gewohnten Lauf. Oder gab es gar keinen Stillstand? Kam diese Stadt vielleicht nur ins Stolpern? An diesem Morgen rollt alles wie in den Wochen zuvor. Läufer grüßen sich sporadisch, Radfahrer klingeln einen hektisch von hinten an und Schulkinder rufen uns „schneller, schneller“ hinterher. Alles wie immer also. Die hängenden Köpfe gewinnen an Haltung und blicken Millimeter für Millimeter mehr gen Himmel. Dort wo sich die Sonne wieder blicken lässt. 

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