Fehl.Tritt

Vor einem halben Jahr hätte ich die Tastatur nicht einmal angeschaut, geschweige denn ein Wort über den heutigen Tag verloren. Doch auch wenn sich zwischen der damaligen und der heutigen Performance nichts geändert hat, will ich auch diesen Moment einfangen. Insofern er sich einfangen lässt. Einfacher wäre es jetzt zu schweigen. Einfacher wäre es jetzt nicht zu schreiben und den heutigen Wettkampftag in Stille zu begraben. Unter was weiß ich zwar nicht, aber es ließe sich sicherlich etwas finden. Zur Not hätte ich ihn einfach ertränkt. Erst mit Wodka. Dann im Waschbecken. Sicher ist sicher. Doch so möchte ich nicht sein. Also greife ich diesen Moment, helfe ihm hoch und nehme ihn in Arm. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Sobald der Startschuss fällt, vergesse ich alles, was ich die letzten Wochen geübt habe. Jeder Schritt tritt an die falsche Stelle und Beine und Körper machen dabei was sie wollen, außer zu rollen. Es fehlt Leben. Ja sobald der Startschuss fällt, scheint etwas in mir von dieser Patrone getroffen. Es blutet nicht. Es schmerzt nicht. Wie denn auch, es gibt nicht mal eine Kugel. Und dennoch fällt etwas in mir tot um. Egal welches Tempo ich einschlage, meine Beine kleben am Boden und verlaufen sich in Langsamkeit. Es fehlt Leben. Ich bin wirklich ratlos, denn meine Hoffnung aus dem letzten halbe Jahr einen Schlüssel gegen dieses Szenario gefunden haben zu können, wurde die Erkenntnis, dass nicht nur der Schlüssel nicht ins Schloss passt, sondern ich vor einer völlig falschen Tür stehe. Erwartungen lege ich maxinal auf Sichthöhe und dennoch komme ich selbst dort nicht dran. Ich bin nicht enttäuscht, sondern vielmehr verzweifelt. Wenn ich wüsste, in den letzten Wochen nachlässig gearbeitet und meinem Training nicht die nötige Aufmerksamkeit und Qualität entgegen gebracht zu haben, die ich von mir selbst erwarte, könnte ich plausibel nachvollziehen, welchen Ursachen ich nachgehen kann. Aber dem ist nicht so. Und so treten die Beine nach dem Startschuss weiter ins Leere und finden den Boden unter sich nicht wieder. Mal wieder. 

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