Luxusgut Einsamkeit / straight outta Misdroy / Tag 3

Wo wir auch sind und wohin wir auch gehen, sind wir umgeben von Menschen. Oder zumindest von Wesen, die so aussehen als wären sie welche. Manchmal. Manche Menschen sind uns lieb, so manche Gesellschaft genießen wir sogar. Manchmal. Manche Menschen sind uns weniger lieb, ihre Gesellschaft jedoch notwendig. Egal wo wir sind, wohin wir gehen, allein mit uns selbst sind wir selten. Und selbst, wenn uns die absolute Stille und Einsamkeit in ihre Arme schließt, freiwillig unfreiwillig, schaffen wir uns Seidenefäden nach draußen mit Hilfe des Smartphones. Manchmal zu Menschen, deren Gesellschaft uns weniger lieb ist, aber die nun mal in unserer Freundesliste kleben wie Kaugummi im Kinderhaar. Und statt uns die Zeit mit uns selbst zu nehmen, lassen wir sie uns rauben. Freiwillig unfreiwillig. 
Heute Morgen verließen wir zu zweit das Hotelzimmer, ohne viele Worte zu verlieren, trabten wir den Waldweg hinauf, als plötzlich 2 Rehe unseren Weg kreuzen wollten. Eines der Tiere hüpfte noch wenige Meter vor uns über den Pfad, das andere blieb auf der anderen Seite und bahnte sich seinen Weg durch das Unterholz. Wenige Minuten später trennen sich auch Siris und mein Wege. Und die Einsamkeit und Stille des Morgens nimmt jeden von uns in seine Arme. Freiwillig. Und mit jedem Schritt der Sonne entgegen, die durch die Äste strahlt, gewinnt die Einsamkeit um mich herum an Raum. Alte Gedanken kriegen neue Luft und neue Gedanken ihren Impuls. Plötzlich klaren Wolken im Kopf auf. Plötzlich beruhigen sich die Wellen in der Brust. Plötzlich herrscht Windstille in den Ohren. Kein Rauschen, das bleibt. Und ich genieße jeden Atemzug, der die Stille aufsaugt. Heute Morgen weiß ich, was mir in Berlin so oft fehlt. Einsamkeit. Nicht die Hilflosigkeit, weil ich nicht weiß an wen ich meine 1000 Fragen stellen soll, sondern die Ruhe in mir selbst, mit mir selbst Antworten darauf zu finden. In Gesellschaft mit mir selbst. Umgeben von mir selbst und morgendlicher Stille. Und ich genieß es. Manchmal. Mein persönlicher Luxus. 

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