Mehr geht nicht (Tag 3)

Völlig unerwartet stellte der 6te Dezember mein Leben völlig auf den Kopf. Unser Leben. Ohne große Vorboten. Seit diesem Tag bin ich vielleicht der glücklichste Mensch auf dieser Welt. Streichen wir das „vielleicht“. Ich bin es. Kein Sieg. Keine Bestzeit. Kein Erfolg. Nichts von all dem, was ich in all den Jahren Leistungssport erlaufen habe, könnte nur im Ansatz die Waage des Glücks ins Gleichgewicht bringen, wie dieses Erlebnis am 06.12.2019 als unsere Tochter Edda in unser Leben purzelte. Ungeduldig, so wie es ihr Papa ist, entschied sich unsere kleine Ente viel früher als geplant unser Leben zu bereichern. Wie viel Glück wir an diesem Freitag im Dezember besaßen, kann kein Wort im Duden beschreiben. All die Gefühle der Erinnerungen an die vielen Momente dieses Tages in eine oder vier Zeilen zu pressen, ist schier unmöglich. Worte reichen dafür nicht aus. Meine zumindest nicht. Und dieser bin ich bekanntlich nicht verlegen. Nun wurde aus März 2020 Dezember 2019. Und in die Reihe aus DROGA und LOT reiht sich mit dem 6ten Dezember nun Edda ein. Kein Projekt. Kein Arbeitstitel. Sondern mein Zenit. Mehr geht nicht. Nicht mehr Liebe. Nicht mehr Sehnsucht. Nicht mehr Leidenschaft. Ihre 700gr sind mein Halt, meine Motivation, mein Allheilmittel. Sie lässt all meine Schwierigkeiten der Vergangenheit in winzige Fussel schrumpfen. Sie verwandelt alle Anstiege in Bergabpassagen mit Rückenwind. Keine Last scheint schwer genug, um mich zu Boden zu drücken. Kein Wind zu stark, um mich auszubremesen. Kein Gefühl in meinem Leben war bisher intensiver als meine Liebe zu ihr. Jedes Training wirkt neben all dem, was unsere kleine Ente bisher meistern musste, wie die reinste Spielerei. Nichtig. Und so wird sich der eine oder andere Tag hier vollkommen um sie drehen. Seit Edda da ist, laufe ich so unbeschwert wie nie zuvor durch mein Leben. Sie steckt in jedem Schritt, den ich morgens in den Asphalt zwischen Krankenhaus und Adlershof hinterlasse. Vor jedem Training morgens um 6, besuche ich sie auf der Intensivstation, nehme sie gedanklich mit auf meine Runde aus der Dunkelheit in den Morgen hinein. Jeder Atemzug in meiner Lunge ist für sie. Jede Sekunde fern von ihr wirkt wie die reinste Verschwendung. Wieso ich also keine Rennen in der Halle absolviere, sollte damit geklärt sein. Im Sommer fahren wir gemeinsam als Familie nach Braunschweig zur DM und setzen damit einen kräftigen Punkt unter einem Strich, der seit langem darauf wartet zum Ausrufezeichen vollendet zu werden. Bis dahin werden noch einige Tage zwischen Intensivstation und Intervalltraining verstreichen. Doch unser Maximum von gestern bleibt dabei immer unser heutiges Minimum und so holen wir gemeinsam 27 Stunden aus jedem 24 Stunden Tag heraus. Gestern. Heute. Morgen. Unaufhaltsam.

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Morgens: 10km / 4:10min/km

Veröffentlicht von maik wollherr

Zwischen Training und Therapie - Lauf mit mir eine Runde um den Blog

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