Luxusgut Einsamkeit / straight outta Misdroy / Tag 3

Wo wir auch sind und wohin wir auch gehen, sind wir umgeben von Menschen. Oder zumindest von Wesen, die so aussehen als wären sie welche. Manchmal. Manche Menschen sind uns lieb, so manche Gesellschaft genießen wir sogar. Manchmal. Manche Menschen sind uns weniger lieb, ihre Gesellschaft jedoch notwendig. Egal wo wir sind, wohin wir gehen, allein mit uns selbst sind wir selten. Und selbst, wenn uns die absolute Stille und Einsamkeit in ihre Arme schließt, freiwillig unfreiwillig, schaffen wir uns Seidenefäden nach draußen mit Hilfe des Smartphones. Manchmal zu Menschen, deren Gesellschaft uns weniger lieb ist, aber die nun mal in unserer Freundesliste kleben wie Kaugummi im Kinderhaar. Und statt uns die Zeit mit uns selbst zu nehmen, lassen wir sie uns rauben. Freiwillig unfreiwillig. 
Heute Morgen verließen wir zu zweit das Hotelzimmer, ohne viele Worte zu verlieren, trabten wir den Waldweg hinauf, als plötzlich 2 Rehe unseren Weg kreuzen wollten. Eines der Tiere hüpfte noch wenige Meter vor uns über den Pfad, das andere blieb auf der anderen Seite und bahnte sich seinen Weg durch das Unterholz. Wenige Minuten später trennen sich auch Siris und mein Wege. Und die Einsamkeit und Stille des Morgens nimmt jeden von uns in seine Arme. Freiwillig. Und mit jedem Schritt der Sonne entgegen, die durch die Äste strahlt, gewinnt die Einsamkeit um mich herum an Raum. Alte Gedanken kriegen neue Luft und neue Gedanken ihren Impuls. Plötzlich klaren Wolken im Kopf auf. Plötzlich beruhigen sich die Wellen in der Brust. Plötzlich herrscht Windstille in den Ohren. Kein Rauschen, das bleibt. Und ich genieße jeden Atemzug, der die Stille aufsaugt. Heute Morgen weiß ich, was mir in Berlin so oft fehlt. Einsamkeit. Nicht die Hilflosigkeit, weil ich nicht weiß an wen ich meine 1000 Fragen stellen soll, sondern die Ruhe in mir selbst, mit mir selbst Antworten darauf zu finden. In Gesellschaft mit mir selbst. Umgeben von mir selbst und morgendlicher Stille. Und ich genieß es. Manchmal. Mein persönlicher Luxus. 

Meer.Kraft / Straight outta Misdroy / Tag 2

Auch wenn ich in Berlin mindestens 2 mal pro Woche ausschließlich die Beine trainiere, liegt mein letztes Training mit der Langhantel dann doch noch im Jahr 2016 zurück. Um es genau zu sagen, war es ein Tag vor dem Silvesterlauf. Bei McFit sind die Langhanteln wirklich sehr lang, außerdem braucht man für das Training Platz und Ruhe und das hat man dort beides nicht, außer man trainiert nachts um halb drei. Umso besser dass wir hier in Miedzyzdroje sowohl Ruhe als auch Platz haben im Kraftraum mal die Langhantel schweben zu lassen. Heute Früh ging es dann auch direkt frisch ans Werk. 2km hin zum Stadion laufen, kurze Session, um Bauch und Rücken zu stabilisieren und ran an die Eisen. Dazu folgen dann auch noch mal paar Videos. Kniebeuge, Kreuzheben, Sprünge. Viel Dynamik, wenig Gewicht. Trotzdem waren die Beine am Ende mehr als platt. Zum Auslaufen gab es noch Rasendiagonalen. Wir haben hier nämlich einen schönen Kunstrasenplatz im Stadion, der sich für bestens für Technikläufe eignet. 

Mit wirklich festen Beinen nach dem Mittagsschlaf ging es in den Wald auf die 1350m Runde von Samstag. Hier wollte ich die Beine kontrolliert rollen lassen und die Beine nicht noch stumpfer laufen, als sie eh vom Vormittag bereits waren. 8km sollten es werden, Puls bei 160 halten und schauen, bei welcher Geschwindigkeit ich am Ende lande. Ich hätte mich mit 4 Minuten pro Kilometer zufrieden gegeben, hätte ich nach dem Laufgefühl der Aufwärmung gefragt. Nachdem der erste Kilometer aber bei 3:23min/km auslöste und auch die folgenden Kilometer knapp um und unter 3:30min/km bei 155-161 Durchschnittspuls landeten,  war ich schon vor der Laktatmessung mehr als zufrieden. Am Ende spuckte mir mein schlaues Gerät 2.0mmol/l Laktat aus. So muss es laufen. So funktioniert Ausdauersport. Man kann sich bescheißen oder es lassen. Der Weg stimmt. Den gehe ich weiter. Morgen Früh um 6:30Uhr. In diesem Sinne, gute Nacht.

Sammelstelle / Straight outta Misdroy / Tag 1

Meine letzte Sendepause hier liegt fast 2 Monate zurück. Damals musste ich mich nach dem Fiasko von Barcelona wieder sammeln, Kopf und Körper wieder in die Spur rücken, und das geht manchmal nur im stillen Kämmerlein. Die jetztige 7 tägige Pause von letztem Samstag bis heute, rührte aus einem anderen Grund und zwar um nach dem Tag täglichen schreiben von November an, einfach mal ein wenig Stoff im Kopf zu sammeln. Da brauch es manchmal einfach eine Verschnaufpause. Mit heute ist diese aber vorbei.

Seit Freitag sind wir wieder an der polnischen Ostsee. Wie bereits 2014, 2015 und 2016 zog es uns für das Trainingslager nach Miedzyzdroje/Misdroy, um uns hier für dir Sommersaison 2017 vorzubereiten. Hier haben wir für uns einen sehr schönen Fleck, unweit der Haustür gefunden, wo wir uns sehr wohl fühlen, das Feeling der See aufsaugen können und schon ein wenig von zweiter Heimat sprechen. Anders als im letzten Jahr sind Siri und ich in diesem Frühjahr zusammen mit der Trainingsgruppe des LAC Olympia ’88 hier und können uns für einige Trainineinheiten der Gruppe anschließen. 

Ansonsten knüpfe ich an die letzten Vorwoche an. Mittwoch Tempodauerlauf GA2 mit anschließender Laktatmessung und Samstag kurze Intervalle, natürlich auch unter Kontrolle. Dazwischen wird aufgetankt, gestärkt und mobilisiert. Hier lasse ich einfach den Faktor „mehr Zeit = bessere Regeneration“ wirken, besuche tägliche dafür Sauna und Schwimmbad und halte an meiner Diät fest. Besonders das fällt hier natürlich schwer, wenn es an jeder Ecke nach Waffeln riecht.

Gestern Vormittag erfolgte die erste schnelle Einheit hier im Gelände auf der 1350m Runde. 6x1000m knapp über und unter 3 Minuten mit 3 Minuten Pause. Vom Laktatwert (9.8mmol/l) deutlich zu hoch, was vermutlich an der Schwierigkeit des Geländes lag. Leider fiel die Batterie meines Brusttaschen aus, weshalb ich dort keinen Vergleich zur Vorwoche ziehen kann, aber das Brustgurtproblem wurde schnell behoben. Die Intervalle wurden heute direkt nachbereitet mit einem nüchternen Morningrun, um anschließend nach einem dicken Frühstück den Hannover Marathon zu verfolgen.

Faktor Meer Zeit = mehr Motivation. 

Ich werde natürlich wieder jeden Tag von hier berichten, gleichzeitig gehe ich über Instagram sicherlich 2-3 live on AIR und gebe dort auch noch ein Special zum Trainingslager bekannt. Also schaut dort einfach mal mit vorbei. Bis dahin, bleibt stabil.

Zeitfenster

Freitags ist das Zeitfenster am Morgen nur auf Kipp. Da muss alles passen. Mein Fresspaket für den Tag schnüre ich bereits am Abend zuvor und nachdem der Wecker klingelt, heißt es, jetzt oder nie. Um 8 Uhr muss ich auf Arbeit sein, wenn ich also was schaffen will, muss ich vor 6 Uhr raus. Da verlegt man schon mal die Nachbereitung auf später in die Mittagspause.

Kuchen und finden

Wieder Mittwoch. Wieder klingelt der Wecker früher als sonst. Dabei ist die Zeitumstellung schon ein paar Tage alt. Nachdem ich vorige Woche notgedrungen meinen Tempodauerlauf von der Abendstunde auf morgens 8 Uhr verschieben musste, gefiel mir das Ambiente im Park und der Gedanke bereits vor 10 Uhr eine schwere Einheit absolviert zu haben so gut, dass ich in Zukunft weiterhin die frühe Morgenstunde des Mittwochs für mich nutzen werde. Außerdem gilt ja

 „wer früher aufsteht, hat mehr vom Tag“

So kann ich in Ruhe einen Kuchen packen als kleine Motivationsspritze, wenn das Training Rum ist. Aber bevor es ans Kuchenbuffet geht, will ich erst paar Worte zum Training verlieren. Nachdem meine Beine gestern morgens und abends gelitten haben, folgte heute früh ein Tempodauerlauf im Schillerpark auf der 1000m Runde. 8km kontrolliert, Blick weniger auf die Geschwindigkeit, sondern wie immer auf den Puls. Maximal 167 lautet die Marschroute. Vergangene Woche pendelte sich das Tempo bei 3:30min/km ein, vor 14 Tagen bei 3:42min/km. Heute blieb die große Steigerung aus, aber auch ein kleiner Schritt nach vorne, ist nach vorne. 3:28min/km bei 163 Durchschnittspuls und 4.0mmol/l Laktat. Alles auf Kurs. Da ist schon ein Stück Kuchen drin. Ohne Mehl, ohne Zucker und absolut vegan. Gefüllter Apfelkuchen. Rezept folgt. Aber soviel sei schon mal verraten, die Motivationsspritze hat sich gelohnt.

Legday

Heute wurden die Beine gequält. Morgens um 7 Uhr und abends um 17 Uhr. In der Früh bei McFit. Am Abend im Schillerpark. Vor dem Frühstück an Geräten zwischen Pumpern und denen, die gerne welche wären. Und vor dem Abendessen in der Natur neben Eichhörnchen und Shisharauch. Mit dem Frühling füllt sich auch der Schillerpark wieder und all die depressiven Winterkinder, kommen aus ihren Ecken gekrochen. Vorbei die Einsamkeit des Langstreckenläufers. Doch damit lässt es sich leben. Bleibt immer noch die Zeit vor 7 Uhr, wenn die, die noch bis weit nach Sonnenuntergang ihren Rauch ich in den Abendhimmel pusten, in den Federn liegen. Jeder wie er es brauch. Un diesem Sinne. Gute Nacht.

Frühlings.Gefühle

Da ist sie. Die Sonne. Oft kopiert, nie erreicht. Endlich bleibt es nach Feierabend noch lange hell und die kurze Hose aus der hintersten Ecke des Kleiderschranks, darf wieder in die erste Reihe zurück. Da fühlt sich laufen gleich anders an. So lebendig. Kein Grund wild herumzuhüpfen, aber sich in dieses Gefühl kurz fallen zu lassen, darf schon mal drin sein. Man lebt schließlich nur einmal. Also nehme ich diesen Frühling Dropkick. Entweder in den Winkel oder in die Weite.