Minä en vielä puhu suomea (Tag Nr. 17) 18. Juli 2011

So muss das. Haare auf 3mm runter, Bart ab, XXX in den Nacken tätowiert und schon falle ich in der Dusche der Mädchenumkleide nach dem Balletttraining (mit 3 T) nicht mehr auf. Natürlich nicht. Alles noch dran, nur der Look meines Blog hat sich von gestern zu heute gewandelt. Nachdem es zum letzten Großereignis, der Veröffentlichung meines Album, einen kleinen Designwechsel gab, kam in mir das absolute Verlangen nach einer neuen Tapete auf. Statt vieler Schnörkeleien geht es mit minimalistischer weiß/schwarz Oberfläche wieder zur Basis zurück. Erste hysterische Ausdrücke der Begeisterung wurden mir dabei gleich seitens Fred bekundet:

„finde die neue uffmachung gay ma sehn ob man sich dran gewöhnt oder ob se echt gay is und daher gay bleibt ma seen“

Vom Tapeten zum Themawechsel. Für den ein oder anderen dürfte es keine Neuigkeit sein, dass ich großer Fan der 60er und 70er Jahre Laufszene bin. Stadionrunden aus Asche. Männer und Frauen mit Bärten. Simple Trainingsmethodik und Doping. Was will man bitteschön mehr? Über das Tor zur Welt, dem Internet, öffnen sich für mich jeden Tag auch die Tore zu dieser Zeit. Und plötzlich steht man mitten in den weiten finnischer Wälder. Auf youtube stieß ich nämlich, über diverse Umwege versteht sich, auf eine Dokumentation, die die Vorbereitung Lasse Virens für die Olympischen Spiele in Moskau zeigt. Knapp 30 Jahre alt der Steifen, nicht in HD und vor allem auf Finnisch. Zunächst hatte ich die Doku nach etwa 3 Minuten abgesprochen zu gucken, weil man in dieser Sprache keinerlei Parallelen zu der unseren findet. Wieder einen Tag später wagte ich mich dann ein zweites Mal an dieses monomentales Meisterwerk der Sportgeschichte. Schließlich geht es um einen mehrmaligen Olympiasieger. Auch wenn von den eintönigen, obwohl in Wahrheit sicherlich sehr spannenden, Erzählungen des Kommentators nichts übrig blieb, hab ich von den Bilder des Trainings so einiges mitnehmen können.

1. Finnische Winter müssen sehr kalt sein.
2. Lasse Viren ließ sich gerne den Po massieren. No homo.
3. Blutdoping sollte jeder mal machen dürfen. Aus Spaß versteht sich.

Wer mal am Sonntagnachmittag eine Stunde übrig hat, sich von Angsteinflößender Filmmusik berieseln lassen möchte und vielleicht noch drei Worte finnisch spricht, dem lege ich diese Dokumentation über den finnischen Volkshelden nahe. Den ersten von sechs Teilen gibt es heute hier. Ich verabschiede mich und was wäre da nicht treffender als ein

Hyvää yötä

Euer maik

P.S: Angeblich gibt es die Doku auch auf Englisch. Also sollte jemand mal drauf stoßen, dann bitte bei mir melden. Kiitos.

Countdown…noch 7 (Tag Nr. 16) 17. Juli 2011

Nicht das Kennedy Space Center. Nicht der Vorspann einer alten Filmrolle. Nicht Silvester. Und trotzdem läuft der Countdown.

Nur noch 7 Tage sind zu gehen. Natürlich über 7 Brücke in 7 Meilenstiefeln. Als ich Anfang diesen Monats nach OC zu meiner Sommertour anreiste, hatte ich die 7 bereits ins Gepäck gepackt, quasi als Glückszahl. 7 ½ Runden sind zu laufen, die ersten 200m ohne Hindernisse. 35 Sprünge sind zu absolvieren. 3 + 5= 8 einen im Sinn, zack bumm die Rechnung stimmt. Mein irrsinniger Aberglaube wird mich sicherlich noch ins Grab führen, wenn mir dann eine schwarze Katze von rechts unterhalb einer Leiter ein Bein stellt. Natürlich mein falsches Bein, mit welchem Fuß ich zuvor am Morgen aus dem Bett gestiegen bin.

Aberglaube.

Ich hatte meine geplanten Eckpfeiler des Trainings für diese Woche schon anklingen lassen. Dabei beziehe ich mich auf Inhalte, die mir vor dem Start über die 3000m in Rhede sehr gut bekommen sind und im Anbetracht meiner diesjährigen Leistungen, ist das Ergebnis über 3000m sicherlich nicht als schlechtestes einzustufen. Statt der 1000m decken die 1500m in Bottrop den harten Tempolauf ab, die von der Renngestaltung und dem Ergebnis ihren Zweck voll und ganz zunächst erfüllten. Genau eine Woche vor Rhede lief ich in Bad Essen, ja ja ja wir erinnern uns, die 10km (aber so was von 10km) auf der Straße, die meinen Tempodauerlauf bedeuteten. Kann sich also jeder zusammenreimen, was ich mir für heute aufs Programm gemeißelt habe.

8km TDL im Gelände / Tempo= ???

Gute Frage. Nach dem WK vom Freitag waren die Beine in der Aufwärmung schon mal ganz frisch, wenn auch noch spürbar vorbelastet. Glücklicherweise hatte sich das Wetter im Vergleich zum frühen Vormittag gänzlich verbessert. Aus regem Regen wurde sonniger Sonnenschein, der mit Hilfe der Luftfeuchtigkeit für ein richtig warmes Klima sorgte. Zur Tempokontrolle lief ich die 8km auf einer meiner Lieblingsrunden in OC, die in etwa 1040m fasst. Sowohl vom Untergrund als auch vom Gelände her, ist der Kurs sehr abwechslungsreich, sodass man zwar seinen Laufrhythmus schnell findet, aber ihn durch ein paar schwierige Passagen immer wieder auffrischt. Von Beginn an stieg ich sehr konzentriert und auf alle wichtigen Elemente bedacht mit einem recht hohen Tempo in den Lauf ein.

3:18min

Für mich persönlich ziehe ich einfach immer 10sec für die 40m zuviel und das Gelände ab, um das Tempo in etwa auf die Bahn zu projizieren. Am Ende blieben nach meiner Uhr alle Runden unter 3:20min und waren bis auf Abweichungen im 1sec Bereich sehr konstant gelaufen. Nicht ganz einfach der Lauf, aber im Hinblick auf die kommende Woche sehr passend.

Jetzt heißt es meinen Beinen wirklich für 2 Tage Luft zu geben, ihnen die nötige und vor allem richtige Energie einzuflößen. Zur Wochenmitte erfolgt dann noch ein Fahrtspiel im Gelände, was bedeutet, dass ich der Bahn für diese Woche fern bleibe. Reicht, wenn ich sie mich am Samstag kriegt.

Das wars von hier. Ich lege die Füße wieder hoch und sage bis morgen.
Euer maik

Mut zur Lücke (Tag Nr. 15) 15. Juli 2011

Ja mei. Is den scho wieder Herbst?

Wind. Regen. Gefühlte Minus 5 Grad. Am Himmel ein schulklopapierfarbendes grau. In etwa so ein Sommermärchen wie das von diesen Fußballfrauen (siehe Video). Wie war das doch gleich mit

“der 3. Platz ist nur was für Männer”

Dicke Lippe riskieren, aber nichts dahinter. So in etwa wie ich, nur maskuliner. Wo war er plötzlich hin der Mut? Nicht Demut. Der Mut. Fast genau eine Woche vor der großen Social Network Flatrate Party in Kassel sollte der sich doch eigentlich nicht hinter sich selbst verstecken müssen oder? Beim nasskalten Auftakt gegen 7Uhr in der Früh stimmte zumindest die Laufrichtung, wenn ich auch vom Kopf her nicht so recht wusste, wie ich die heutige Aufgabe über 1500m bei der Bottrop Gala anzugehen habe. Wie wird sich das Rennen gestalten? Wo kann man sich einordnen? Vom Feld her war mir klar, dass es gewiss schnell her gehen wird, denn schließlich trifft man sich dort nicht, um eine Meisterschaft auszupimmeln. Zudem wurde auch vom Veranstalter mit Jan Simon Haman für einen Tempomacher gesorgt, der seine Arbeit aus meiner Sicht sehr ordentlich und souverän ablieferte. Also musste man sich dazu schon mal keine Gedanken mehr machen. Anders als in der Früh, schien in Bottrop die Sonne, es war warm und eine schöne Portion Wind auf der Zielgraden hatte man auch eingeladen. Ganz ordentliche Bedingungen, es geht immer schlechter. Vom Rückenwind auf der Gegengraden getragen, rollte das gesamte Feld schnell an und ich passierte hinter Viktor an etwa 6/7 Stelle eingereiht die 300m bei knapp 43sec. Noch 3 Runde. Mit etwas zu viel Respekt vor den Jungs in der Spitze lief ich im Gegensatz zu Sonntag ehe verhalten. Denn passte das Tempo noch bei 600m, tat sich auf den nächsten 400m eine kleinere größere Lücke nach vorne auf und wir verloren hinten an Fahrt. 2:33min, vielleicht sogar 2:34min bei 1000m sind dann auch einfach mal 2:34min zu langsam. Zwar kassierte ich auf dem letzten Abschnitt der Stadionrunde noch ein paar Läufer aus der Spitze ein, aber für den ganz großen Sprung nach vorne, reichte es dann doch nicht.

3:51.86min (hier die gesamte Ergebnisliste vom Meeting – wir waren im B-Lauf)

Etwa 1sec über meiner Bestzeit vom Wochenende. Zufrieden? ja. Unzufrieden? ja. Man will ja immer irgendwie schneller, aber dann müsste man auch mal was riskieren. Alles in allem war es als letzter Wettkampftest in Ordnung. Ich hoffe doch sehr, dass es nach den Deutschen noch die ein oder andere Startgelegenheit über diese Distanz geben wird, denn mit einer Zeit unter 3:50min würde ich mich am Ende der Saison doch sehr gerne vom Sommer verabschieden wollen.

Aber wer will den schon an Abschied denken, schließlich geht es grade erst so richtig los. Bis zu den Deutschen stehen noch 3 wichtige Einheiten auf dem imaginären Zettel.

1. Tempodauerlauf
2. Fahrtspiel
3. Swag aufdrehen.

Heute früh war ich gleich mit dem Basti knapp´ne Stunde locker laufen, um die Beine von gestern noch mal etwas aufzulockern. In dieser Saison zeigt sich das Phänomen, dass am Tag nach dem Wettkampf mein Befinden sehr stabil ist und sich körperlich erst nach 2 Tagen ein kleines Loch auftut. Im Anbetracht dessen, dass wir morgen einen TDL laufen wollen, bin ich schon heute auf meine Verfassung gespannt.

Bis morgen dann oder heute Abend. Schauen wir mal, welche Stories dieser Tag offenbart.

Euer maik

Sexy Sportclips heute mit mir (Tag Nr. 14) 14. Juli 2011

Donnerstagmorgen. Um kurz nach Acht vibriert irgendwo mein Handy. Gefällt mir nicht. Ab damit auf die Ignorlist. Heute schlafe ich nämlich aus. Oft fällt mir das noch sehr schwer, denn dieser Körper ist auf Training programmiert.

Morgens/Abends/Morgens/Abends/Morgens/Abends/Morgäääähn

Sich dann auch mal eine Pause zu gönnen, fällt mir immer noch sehr schwer und ist für mich keinesfalls selbstverständlich. Denn die Gestaltung meiner Pausen erscheint mir oftmals schwieriger als die Gestaltung meines Trainings. Im Training habe ich zumindest noch eine kleine Ahnung was ich denn heute unternehmen will. Aber so ein freier Tag ist wie eine neue, weiße Leinwand. Irgendwie hat man Angst sie mit den “falsch” Farben zu bemalen. Daher versuche ich mich auch am Ruhetag an meinen Tagesrituale entlang zu hangeln. Dazu zählt vor allem der lange Spaziergang. Als ich vor Jahren in Bad Reichenhall einmal einen Physiotherapeuten besucht habe, der ganz nebenbei erwähnt, der Schöpfer der Berge gewesen sein musste, seinem Aussehen nach zu urteilen, erzählte er mir, dass er zu seiner sportlichen Zeit nur aktive Physiotherapie kannte.

“Spazierengehen kostet nichts.”

Leichte Bewegung, viel frische Luft und genug Zeit zum Verarbeiten und sich bereits auf die nächsten Aufgaben einzustellen. Außerdem ist es ja schon etwas skurril, wenn man sich überlegt, dass man jemand “Fremdes” oftmals MÄNNLICH dafür GELD zu steckt, damit ER deine Muskeln mit ÖL einreiben darf.

Na, wenn dir da keiner bei abgeht.

Dann drehe ich doch lieber eine gesunde Runde um den Berg und summe dabei ein Celin Dion Hitmix.

In diesem Jahr hab ich bereits den ein oder anderen Zeitungsartikel mitnehmen können und habe damit mehr Präsenz in unserer lokalen Presse als je zuvor. Meine Freude darüber ist natürlich immer sehr groß. Dass sich dann aber am Montag noch das Internetfernsehen per Telefon ankündigte, war dann doch eine sehr schöne Überraschung für mich.

Zieht euch Socken an, das Fernsehen kommt.

Gleich mit drei Kameras standen die netten Herren von os1.tv am Dienstag auf der Illoshöhe und haben mir richtig viel Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön. Im entspannten Talk am Wassergraben plauderten wir über die Liebe, meine Zeit als tschechischer Pornostar und die scheene Zeit auf Tour mit Karel Gott. Welchen anderen Blödsinn ich da noch von mir gegeben habe, bringt am besten jeder für sich selbst in Erfahrung.

Morgen geht es wieder zum Wettkampf. Letzter Test für Kassel. Ich werde natürlich davon berichten.

Euer maik

B zu dem motherfuckin estzeit (Tag Nr. keine Ahnung mehr) heute ist Mittwoch, der 13. Juli 2000 & 11

Langsam wirft man mir wieder Faulheit, bezüglich meiner Trainingsdokumentation aus dem Sommertrainingslager vor. Aber manchmal fehlt zwischen Wettkämpfen und der Erholungsphase im wahrsten Sinne der Kopf, um noch die nötigen Worte in die Tastatur zu tippen. Da herrscht auf der Zielgraden doch größerer Sauerstoffmangel als man denkt, wenn man denn dann dazu noch im Stande ist. Langsam näher ich mich dem Punkt meiner vollen Verausgabung nach dem Zieleinlauf an, was ich aus meiner Sicht mit steigender Form gleich zu setzten ist. Wer den Kalender im Hinterkopf hat und weiß, dass es keine zwei Wochen mehr bis Kassel sind, bemerkt, dass ich den Siedepunkt haargenau ausrangiere.

Ich liebe es wenn mein Plan funktioniert.

3 Rennen / 3 Bestzeiten lautete die Parole an der Eingangtür zur neuen Woche. Nachdem die 1000m nach fast 6 Jahren längst fällig gewesen sind und die 3000m am Freitag die erste Lohnausschüttung der Sommersaison bedeuteten, stand mit dem 1500m Start am Sonntag bei den Norddeutschen Meisterschaften in Celle so etwas wie der Nachtisch auf dem Tisch.

Ein Pudding passt immer, egal wie satt du bist.

Am Sonntagmorgen zeigte sich deutlich, dass der Tag Pause zwischen den Wettkämpfen die reinste Wohltat war.

“schon beim Auftakt fühlten sich die Beine an als drehe man einen Porsche auf” (Richard Friedrich)

Und genauso war es bei mir am Sonntag auch. Sonne, unglaubliche Frische und Kraft in den Beinen und meine innere Gewissheit, dass es heute einfach nur in eine Richtung gehen kann. In Celle waren die Bedingungen für die Mittelstrecke ähnlich Top wie am Freitag in Rhede. Kein Wind, warme Temperaturen und laut Fremdaussagen ein schnelles Feld. Einige Athleten mussten noch die Norm für die Deutschen bestätigen, dazu zählte ich nicht.

Aufwärmung wie immer. Spikes an. 2 x 100m. Okay, kann los gehen. Von Beginn an war es hektisch vorne in der Spitze. Vieles lief ich auf der zweiten Bahn und kaum hatte man sich mal innen eingereiht, konnte man auch schon wieder raus, weil das Tempo zu lahm wurde.

400m 58/59sec
800m 2:03/04min

Wie kann das passieren? So wird es schwer mit der Norm oder zumindest mit einer Zeit unter 3:50min. Also wieder raus aus dem Feld mit Orientierung nach weiter vorne.

1000m 2:34min

Schneller als bei den Berlinern und vor allem zu diesem Zeitpunkt um einiges frischer. Da sieht man mal, wie entspannt es sein kann, wenn andere für das Tempo sorgen oder es zumindest versuchen. Mit 2:50min geht es in die letzte Runde. Gemeinsam mit Viktor starte ich auf die letzten 400m. Auf der Gegengraden verkürze ich noch einmal den Schritt, Kopf runter, alles nach vorne was noch geht. 3 Läufer unter anderem Viktor sind nach vorne weg, mit zwei anderen prügele ich mich auf der Zielgraden rum und ziehe letztendlich den Kürzeren.

3:50.95min (neue gemeinsame PB mit dem Michi Wilms)

Check. Check. Check. Drei Hacken hinter der Wochenaufgabe. Und ich denke, dass auf all diesen Strecken noch Luft ist, insbesondere die 1500m und daher gibt es über diese Strecke am Freitag in Bottrop noch einen letzten Test vor den Deutschen.

Im Training ist aufladen und immer wieder auffrischen angesagt. Viel dehnen, bisschen Kraft, erholen und kleine Reize setzten. Mit dem Wettkampfpaket aus der letzten Woche habe ich so einiges an Tempotraining abgedeckt und so wie ich das sehe eine sehr gute Mischung aus Training + Wettkämpfe als Vorbereitung gefunden. Noch nie habe ich so viele Starts in so kurzer Zeit absolviert, aber ich stecke es gut weg und der Effekt davon wird großartig sein. Ich liste nicht genau auf, was die Tage hier anstand, denn meist sind es kleinere/größere Laufeinheiten + Gymnastik und Medizinballwürfe. Gestern Morgen gab es eine Packung Laufkraft vor der Hürdeneinheit am Nachmittag. In zwei Tagen wird wieder gerannt, also wird sich im Hinblick auf den Lauf etwas geschont.

So sieht das aus. Seid fleißig, egal wobei und schaut gelegentlich hier um die Ecke.
Euer maik

Wo sind die Klöten hin?

„Bei den Norddeutschen Meisterschaften in Celle wurden trotz des Fehlens einiger Leistungsträger wie des Hochspringers Eike Onnen (LG Hannover) und der Mittelstrecker Moritz Waldmann (LG Hannover) und Jonas Hamm (LG Braunschweig) sowie der Hürdensprinterin Amina Ferguen einige beachtenswerte Leistungen erzielt.“ (www.nlv-la.de)

Wie geht denn das? Die Leistungsträger sind nicht vor Ort und dennoch erzielen dann ANDERE Athleten gute Leistungen? Kann mir das jemand plausibel in dumm erklären wie das bitte schön von statten gegangen sein soll? Schließlich haben ein paar dieser “Leistungsträger” in diesem Jahr schon zwei ganze Rennen, wenn nicht sogar drei, vollständig beendet, ohne dabei 100m vor dem Ziel das Handtuch zu schmeißen, weil, ja weil, ja weil eben nicht gewinnen und so und nur 5ter dann ne, dann will ich auch nicht, blöd, pff.

Hodenlose Frechheit.

Wann genau ist das passiert mit der Leichtathletik? Wann genau hat dieser Sport seine Klöten verloren? War es Krebs? Ein Tritt in die Nüsse? Wieso sind die Jungs von gestern, die Mädchen von heute? Machen wir uns doch nichts vor:

Deutsche Leichtathletik ist eine absolut gaye Nummer.

Und jetzt sagt mir bitte nicht, dass das so nicht stimmt. Hautenge Hosen und rasierte Beine von Solarium gebräunten Bois liefern aus meiner Sicht den absoluten Gegenbeweis. Statt auch mal über kleine Wehwehchen hinweg zu laufen, klebt man sich lieber rosa-pinke und babyblaue Klebestreifen von der Achillessehne bis einmal quer über den Schädel. Das schreit immer schon nach Ausreden.

“Ich bin schon leicht verletzt ins Rennen gegangen und bei 413m hat es dann plötzlich gezwickt und da wusste ich schon, dass das heute nichts wird.”

Und Wetter war irgendwie auch blöd. Darin ist die Szene ja schon immer weltklasse gewesen. Ausreden suchen, (er)finden und sich die Leistungen schön bunt pinseln. Na, dann lass es doch einfach sein. Entweder du bist fit und holst immer das Maximum aus dir heraus oder du bleibst schwanger und holst irgendwann den Maximilian aus dir heraus. Ich will jetzt gar nicht erst anfangen mit den alten Zeiten und den alten Haudegen, denn dann ertönt wieder der Männerchor bestehend aus Sopranisten, der lauthals ruft: Aber die waren doch alle gedopt. Ändert nichts an ihrer Klötenanzahl: 2.  In der breiten Masse wurde gewiss nicht mehr medizinisch rumhantiert als heute auch. Punkt. Es wurde von den Athleten auch mal was riskiert. Jetzt will jeder Bestzeit laufen, aber wartet, dass jemand anderes das für ihn tut. Kannste lange drauf warten. Statt sich an die Linie zu stellen und auch mal so ein Renne von der Spitze aus zu dominieren und dann zu gewinnen, wird im Feld rumgepimmelt, in der Hoffnung den Titel günstig abgreifen zu können, weil der Verein ja 20Mark für einen Meistertitel spendiert. Ganz große K(l)asse. Da spiele ich lieber geh aufs Ganze und zieh am Ende den Zong, aber mit dem Gewiss, mir selbst nichts vorwerfen zu müssen.

Und ja die Leistungsträger haben gefehlt. Aber nicht auf den Mittelstrecken. Denn diejenigen Athleten, die derzeit und auch in Zukunft die Leistungen tragen, haben das am Sonntag auch unter Beweis gestellt. Und zwar mit Klöten.

maik

In Highheels auf den Spuren Bon Jovis (Tag Nr. 9) 8. Juli 2011

“It´s my life”

Nachdem man mich ja öffentlich als Bon Jovi Fan geoutet hat, scheint es mir als würde mich der glitzernde Zauber dieser sagenhaften “Rockgruppe” in ein absolut heterosexuell rosafarbenes Seidentuch hüllen. Wohin ich mich auch bewege, egal welche Zeitung ich aufschlage oder welches Radio ich grade aufdrehe, so ein bisschen “Let it rock” klebt mir ständig an den Hacken wie frische Kacke. Da konnte ich gar nicht anders als von Ohr zu Ohr grinsen, als gestern Abend in Rhede beim Überziehen meiner Spikes “It´s my life” durch die Stadionboxen dröhnte.

Yeah Baby. Zufall oder Durchfall?

Rhede. Freitagabend. Frische, gefühlte 15°C. Kein Wind. Knapp 20 Läufer samt ihrer Schatten im Flutlichtgehen stellen sich pünktlich um 21:45Uhr mit einem Fuß an die Startlinie. 7 ½ Runden sind vor nach ein wenig gefüllten Rängen zu drehen. Zwischen den vielen Läufern aus Afrika und dem Ruhrgebiet, steh auch ich.

Auf zur 2ten Etappe meiner Mission 3 Bestzeiten in 3 Rennen.

Mit dem Startschuss fallen auch knapp 100m später die ersten Jungs vor mir auf die Nase. Kürzer hätten die 3000m für sie nicht sein können. Blöd, aber sie werden dazulernen. Ich halte mich auf den ersten 400m ein wenig zurück, sortiere mich ein und passiere die erste Runde bei 66sec. Vollkommen im Rahmen, aber zu langsam, wenn ich nicht selbst die Pace im “Verfolgerfeld” übernehme.

Vorne geht die Post ab.

Mein Tempo von 66/67sec pro Runde kann ich soweit halten und nehme die 1000 bei 2:47min und die Hälfte bei 4:12min mit. Für unter 8:20min zu langsam, wenn ich hinten raus keine schnelle Runde abliefern kann. 2 ½ Runden vor dem Schluss sehe zeigt mir der Blick auf die Anzeige 5:35min. Spätestens jetzt ist mir klar, dass eine 2:45min nicht mehr reicht. Schon bei der Hälfte sehe ich wie vor mir ein paar Läufer näher kommen, obwohl sie sich vorwärts bewegen.

“Filmon kriegst du noch”

Worte die 600m vor dem Ende noch mal Kräfte freisetzten. Mit dem Klang der Glocke und 7:17min biege ich in die Schlussrunde. 60 drauf und dann passt es. Auf der Gegengrade überhol ich noch einen Läufer, reiße mich noch einmal zusammen und sage mir leise

Let it rock.

8:17.28min. Bestzeit. Vereinsrekord und neuer Stadtrekord für Osnabrück. Feine Nummer. Langsam bewegt sich da was bei mir in Sachen Form. Und sollte sich renntechnisch noch was ergeben vor/nach den Deutschen, dann glaube ich, dass da auch noch bisschen was drin ist. Denn trotz des schönen Umfeldes, des großen Tamtams und der schnellen afrikanischen Front, war ich bis auf in der ersten Runde, ganz auf mich alleine gestellt und hab für mein Tempo gesorgt.

Hinterherlaufen im Sorg der Masse sieht anders aus.

Aber auch hier gilt wieder. Hätte man gestern schneller laufen können, wäre man auch schneller gelaufen. Denn Bedingungen und Rahmen waren gestern wirklich ein wahrer Traum. Immer wieder ein tolles Geschenk für mich bei solchen Rennen starten zu dürfen. Wer hätte das vor 2 Jahren gedacht?

Heute gab es zur Feier des Tages einfach mal frei. Ausschlafen, Frühstücken, Spaziergang, Mittag, Spaziergang, Bauerncafe, Spaziergang, kleines Schläfchen, Pizza. Man gönnt sich ja sonst nichts. Morgen früh hole ich um 7Uhr den Basti zu einem Spannungsaufbauenden Auftakt ab, damit ich meine Big Brother Wochenaufgabe erfolgreich absolvieren kann. In Celle haben der Viktor und ich ein bisschen was vor, was das 1500m Rennen betrifft. Lustig wird’s .

Bis morgen.
Euer maik